Vor dem Tor des Gedichts

Vid Diktens port

Mensch, du sitzt vor dem Tor des Gedichts,
von Taten berichtest, von Zielen sprichst,
Unsterblichkeit willst beschwören.
Der Tag ist hell, der Himmel nah.
Wer spottet da
und wer erkühnt sich zu stören?
Gar wunderlich bist du zu hören.

Mensch, du sitzt vor dem Tor des Gedichts
im Glanz des Lichts,
um mit gehobenen Augenbraun
zum Himmel zu schaun.
Du denkst daran, was da Vinci schrieb
in Florenz einst über den Schwalbentrieb,
wie Benvenuto Cellini sich lachend bog,
und wie Vasco da Gama nach Indien zog
und, als wär’s gestern gewesen, an den Tag im Mai,
als man Segel beschlug am Calicut Kai.
Es ist so viel, was der Mensch nimmt wahr,
Bild legt er auf Bild hinterm Linsenpaar,
und bisweilen fällt schwer zu erkennen sogar:
was ist und was war.
Baal und Moloch sind ihm bekannt,
Tempel und Pyramiden,
er weiß von Zeichen an weißer Wand
und strafenden Eumeniden.

Mensch, du sitzt vor dem Tor des Gedichts,
seit du irgendwann tratest hervor aus dem Nichts,
du littest durch Peitsche, durch Pest und Brand
und Wüstensand.
Bosheit und Blut ziehn deine Spur,
die Zirkuslust so wie die Tortur.
Vision und Traum waren auch dabei
wie Vogelsang über Heide im Mai,
wie unbeirrter Gesang vom Licht
über gefrorenen Quellen und toter Trift.
Absonderlich war’s um die Reise bestellt
durch das, was man nennt Gottes herrliche Welt.

Und was du auch immer magst wählen
und von deinen Taten erzählen:
Ein jedes Werk, in dem Göttliches glüht
und das Feuer versprüht,
aus dir selbst ist erblüht.
Du berechnest der Sterne Weg und Zeit,
wie sie ziehn in des Raumes Unendlichkeit,
an Instrumenten du zeigst dein Geschick,
und bist doch selbst nur ein Augenblick,
eine flackernde Kerze im Wind,
ein Schrei der Geburt und Greis geschwind.