Lars Wivallius
(1605 - 1669)

Klagelied über diesen dürren und kalten Lenz

Klagevisa över denna torra och kalla vår

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1.

Im Lenz dürr und kalt der Sommer verdorrt
und wird der Herbst schon vertrieben.
O Himmel, hilf bald, der Frühling geht fort,
sieh, Freud ist wenig geblieben.
Sonn warme, erbarme!
Im kalten Nord
die Frühlingslüfte zerstieben.

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2.

Gut Mairegen spend und labenden Tau,
gib warme Schauer den Früchten!
Dem Frost mach ein End und Kälte mach lau
und schmück die Blüten mit Düften!
Bann Schade mit Gnade!
Auf jene schau,
die ehrn den Herrn und ihn fürchten.

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3.

Mach Witterung hold und mild Trockenheit,
auf daß sie die Rosen nicht zwingen,
die Ähren mit Gold laß ohne all Neid
dem Bauer Winterkost bringen!
Bewahr vor Gefahren
die Sommerzeit
und laß die Ernte gelingen!

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4.

Mach weit Himmels Tor für unseren Gang,
hilf Wolken höher zu steigen,
laß hören den Chor mit Nachtigall-Sang,
den nun die Kälte läßt schweigen!
Laß singen die Jungen
zum Fiedelklang
und Kinder tanzen und neigen!

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5.

Laß tanzen in Reihn nun froh groß und klein,
gib Sommers läuternden Segen!
Für Blüten und Seim, durchsichtig und rein,
send perlend belebenden Regen!
Laß härmen, laß lärmen
Stieglitze klein
und schwirren Himmel entgegen!

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6.

Gib Freude und Trost aus huldvoller Hand
und laß die Abendluft kühlen!
Erquick jede Brust im schwedischen Land,
die nun mag sorgenvoll fühlen!
Gib Krumen, gib Blumen,
gib duftend Heu,
laß Kuckuck rufen und buhlen.

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7.

Im Morgenlicht blass beim dämmernden Tag
die Nacht nimmt Abschied im stillen;
in Moos und Morast, im Wald und im Hag
laß Tiere schwirren und spielen,
in Gischten die Fische
beim Wellenschlag
laß tummeln nach ihrem Willen.

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8.

Die Tage mach lang, die Nächte mach klar,
und warme Schauer laß fallen!
Lock Vogel zum Sang, der stille doch war,
und keinen Lockruf ließ schallen!
Laß klingen, laß springen
manch Magd, manch Paar!
Gib Freude den Menschen allen!

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9.

Geh, Tag, fruchtbar an und fruchtbar vergeh,
send Grüße Dörfern und Städten,
manch Ackermann dann erbaut sich am Klee
in Kleidern, winters genähten.
Die Meise zum Preise
singt in der Höh,
und unten schmettern Trompeten.

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10.

Ja, Sonne, dein Strahl den Armen ist hold,
die ihn im Herzen bewahren,
beleucht unser Mahl mit Sommer und Gold,
und Dürre und Kälte laß fahren!
Wir trachten und schmachten,
freun uns der Welt,
freun uns der Sonne, der klaren.

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11.

Dein machtvolles Wort als Ackermanns Freund
begrünt die Wälder und Pfühle,
treibt Trockenheit fort, gibt Sonne, die scheint,
und heiße Herzen macht kühle.
Laß singen die Zungen
erneut erfreut,
daß niemand Kümmernis fühle!

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12.

Gib Wäldern dein Grün, gib Feuchte der Luft,
gib, daß uns nichts soll bedrängen,
laß fächeln so schön den blumigen Duft,
laß Felder und Äcker besprengen!
Gib Kränze für Tänze
in Freud und Zucht
und Betten auf blumigen Hängen.

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13.

Das Gras netze lind und Feldblumen schön,
das kleine Wiesel laß rasen,
laß fächeln den Wind auf Bächen und Seen
und laß um die Hüte ihn blasen!
Auf Matten gib Betten
im Grase grün
für die, die wandern auf Straßen.

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14.

Beamte nach Pflicht laß brauchen die Hand
und schadlos auf Reisen auch bleiben!
Die Kaufleute schlicht zu Wasser und Land
laß fahren und Handel betreiben!
Bei Rose an Rose
am Straßenrand
laß froh uns schauen und neigen.

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15.

Und wird der Tag warm, manch Hirte dann brav
steht im grün-lustigen Schatten
und hebt seinen Arm zu Ziege und Schaf
und kostet süße Renetten.
Der Kluge am Pfluge
den Ochs mit Kraft
läßt gehn und ziehen die Ketten.

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16.

Vom Koben zum Wald den Ochsen nun lenk
und treib das Vieh auf die Weide,
der Herde als Stall die Lichtung dort schenk,
dem Bauer am Pfluge schenke Freude!
Herbst saftig macht lustig!
Laß reifen die Saat,
daß nichts den Acker vergeude.

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17.

Laß grünen dem Schaf und blühen die Weid,
hilf füllen Bottiche wieder!
Der Bauersmann brav, will enden all Streit,
der Kriegsmann will ruhen die Glieder.
Geschieden in Frieden!
Manch Bursche, manch Maid
dann singen froh ihre Lieder.

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18.

Auf Blumen und Laub das Bienenvolk frei
laß Honig sammeln, den süßen!
Die Luft ist noch taub von Gepolter, Geschrei,
wo Heere kampflustig grüßen.
Geschieden in Frieden!
Gott steh uns bei
und hol den Feind von den Füßen!

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19.

Du herrschst über Krieg und herrschst überall
und über Himmel und Erde,
doch Einhalt gebiet dem Fürst und Vasall,
hilf uns zu Fuß und zu Pferde!
Mach mutig, freimütig,
bald wird es kalt!
Du weißt, wie bestens es werde.

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20.

Durch Sünde, o Gott, wir tun dir Verdruß,
zur Sünd uns ließen verführen,
wolln nun dein Gebot befolgen mit Buß,
fortan deinen Zorn nimmer schüren.
Laß fallen von allen
dein’ Zorn, der loht,
und dämpf, was uns kann betören!

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21.

Dämpf Wollust und Sünd, dein’ Gaben gib her,
lehr uns, was nützt deinen Zwecken!
Dein’ Gnade uns künd, hilf derer Beschwer,
die züchtig den Tisch wollen decken,
und stärke für Werke
die Hände, die schwer
zur lecken Kruke sich strecken.

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22.

Gib ihnen ein Jahr, von Sonne erhellt,
die weiß die Zeit recht zu teilen,
und läßt den Mond klar bescheinen die Welt,
um mit seinem Licht zu verweilen.
Die andern laß wandern
auf kargem Feld,
die nimmer helfen zu heilen.