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Cornelis Vreeswijk
1937 - 1987

(Anhologie Lieder Lyrik aus Schweden)

Zylinderhut

Cylinderhatt

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1.

Zylinderhut, Zylinderhut, erzähl von großen Tagen,
wo sich Gesellschaft zeigte, zeigtest du all deinen Glanz.
Magnate und Bankiere mit Zigarr’ und rundem Magen
dich trugen als Symbol von Stolz für Macht und Großfinanz.
Du schmücktest einst den Dignitär und nun den Schornsteinfeger Pär.
Mit dir durfte sich zeigen ein Prinz, ein Fabrikant.
Wohl ist es zu beklagen, daß die Mode verschwand?

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2.

Zylinderhut, Zylinderhut, wo sind die Revolutionen?
Erst wollten alle gleich sein, nun sind sie alle quitt.
Zylinderhut adieu, leb wohl! Patrone und Barone
kauften sich neue Kleider im Demokratenschnitt.
Und alle Millionäre sehn aus wie Proletäre.
“Adieu, adieu, Zylinderhut und teures Samtgewand!”
Gewiß ist zu beklagen, daß die Mode verschwand.

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3.

Doch Johansson mit Käppchen ist sicherlich nicht eitel
und plackt sich ab für wenig Lohn und schaut zur Regierung auf.
Er leiht sich ‘nen Zylinderhut und setzt ihn auf den Scheitel
zur Trauung in der Kirche und zum Waschmaschinenkauf.
Die Bude, die er heuert, der Bagger, den er steuert,
gehören jemand anders, verbrieft und anonym.
Zylinderhut, Zylinderhut, ja was gehört denn ihm?

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4.

Doch der arme kleine Lundström, er grübelt und er knobelt,
ja das Leben das ist teuer, und die Löhnung minimal.
Über den, der ohne Mühe sein Vermögen schnell verdoppelt,
sinnert der kleine Lundström und findet es fatal,
daß wir zwar alle gleich sind, doch manche eben reich sind
und viele, viele andere sind arm wie ich es bin.
Zylinderhut, Zylinderhut, wohin gingst du, wohin?