Evert Taube
(1890 - 1976)

An meine Widersacher *

Sjuttonde balladen *

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1.

In Frieden leben, das ist schwer, weiß Gott,
mit manchem, der mich hier bedrängt zu singen
und dort gießt über mich ätzenden Spott,
daß Hohn und Häme in den Ohren klingen.
Es fällt mir schwer zu trinken seinen Wein
und zögernd greif nach dem spendierten Glase,
von dem, der brüstet sich mit großer Phrase
und hinterrücks mich schmäht und nennt ein Schwein.

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2.

Ich kann für dich, du schlauer Lauerfuchs,
und, Gnädigste, für Sie an Ihrer Tafel
mit einem Liede unterhalten flugs
mit Poesie als Antwort auf Geschwafel!
Mit Göttern trinke ich auf euer Wohl
und Friedens Engel bitte zum Geplausche,
da sich erwies der Weise auch im Rausche,
die Seele fand, was wahr ist und was hohl.

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3.

Die Wahrheit, sie tut gut, und es ist wahr:
tut man in diesem Lande nicht wie alle
und gackert nicht mit seiner Hühnerschar
wie all die andern Hühnchen hier im Stalle,
geht seinen Weg und ist kein Konformist
und Häßliches vergißt bei all dem Schönen —
dann gackert eine von den alten Hennen
davon, wie furchtbar leichtsinnig man ist.

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4.

Ja, gackert nur und kräht, so oft es tagt!
Hab ich das Wort, so will ich dennoch rufen:
Kikeriki! Herrschaften, was behagt?
Mein Leben schlittert wie auf glatten Kufen —
für eure Freude, nicht für Gut und Gold.
Denn einer muß ja den Verdruß vertreiben,
wenn das Gerücht auch ewig sollte bleiben,
daß ich gesungen hab als Trunkenbold.

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5.

Allein, doch froh gesellt, wie ich es mag —
wohlan, ich kann den Weg ja selber wählen
und seh mein Ziel ganz deutlich Tag für Tag,
fernab von diesen Gläsern und Boutellen.
Und zu den Silbersaiten klingt im Nu
hell eine Stimme, hörbar von Poeten —
ich lausche und vergess’ Kalamitäten
und stolz trink meiner edlen Sangmaid zu!