link svenska

Birger Sjöberg
1885 - 1929

Kriegsvision

Krigssyn

.

1.



Ich zielte im Geäst
mit Kimme und mit Korn
zum Feind, der just beflaggte seinen Wall,
und wie zum Siegesfest
so schmetterte das Horn -
da schlug mir etwas warm ans Ohr mit Knall.

.

2.

Meine Hand ließ das Gewehr,
der Wald verschwand sogleich,
als wäre er ein Nebelschleier nur,
und wimmelnd stand ein Heer.
Ich fühlte mich so bleich
und kalt war wie die Wolke und die Flur.

.

3.

Ein französischer Sergeant,
der mich dort liegen sah,
mich frug in seinem milden Idiom:
„Sie leben noch, nicht wahr?”
Ich stammelte ein: „Ja!”,
doch sah nur noch mein Blut im roten Strom.

.

4.

Ins Dunkel ich versank,
und eine Windesbraut
mich hob auf ihre Flügel kühl und sacht,
und Regentropfen blank
ich spürte auf der Haut
und bald zu neuem Leben war erwacht.

.

5.

Am Bette saß zur Wacht
die Schwester zart und klein,
ihr Weinen war es, das mich aufgeweckt:
ihr Blick wie dunkle Nacht,
ihre Bluse seidenfein,
mit Silberkreuz, als Brosche angesteckt.

.

6.

Ich flüsterte: „Vorbei!”,
doch sah im Fieberbrand
Kanonenrauch und roter Blitze Schein.
Sie sagte: „Mon ami!”,
hielt meine heiße Hand
und strich mir meine Stirn von Locken rein.

.

7.

Ich sehe mich noch gehn
im grünen Laubengang
so sacht, wo Frankreichs milder Windeshauch
ließ aus der Laube wehn
den lieblichsten Gesang -
ich stolpere zu ihr beim Rosenstrauch.

.

8.

Das löst der Zunge Band,
und Worte, liebend lind,
wie Rosenblätter falln am Wegesrain.
Mild greift sie meine Hand
und flüstert: „Mon ami”
und streicht die Stirne mir von Locken rein.