Lasse Lucidor
1638 - 1674

lucidor.jpg Lucidor wurde anfangs als wilder Vogel betrachtet. Aus seinen Trinkliedern, die als Beweis hemmungsloser Trinkgelage galten, seinen erotischen Liedern mit verschiedenen Frauennamen und einigen geistlichen Liedern, die tiefe Zerknirschung ausdrückten, wurde die Lebensgeschichte eines Mannes herausgelesen, der nicht gerade Gottes bestes Kind war.

Die Neuere Forschung ergibt freilich ein anderes Bild als das Wildromantische: daß Lucidors Lieder vor allem den Genremustern folgen und nicht etwa auto­biografisch zu lesen sind, und daß sie zeigen, wie gut Lucidor das poetische Handwerk seiner Zeit beherrschte.

Was das Genre der Hochzeitsdichtung betrifft - wo zwei so gegensätzliche Eigenschaften wie Komik und zeremoniellen Ernst zu­sammen­zu­führen sind - mußte Lucidor erst einen schmerzhaften Lernprozeß absolvieren. Im Winter 1669/70 saß er ein halbes Jahr im Gefängnis wegen des Hochzeits­gedichts Giljare Kvaal (Die Qual des Freiers), das er „ungebeten” zu Konrad Gyllenstiernas Hochzeit geschrieben hatte.

Lucidor starb am 12. August 1674, getötet von Leutnant Arvid Christian Storm (Vorfahr des Malers Edvard Munch) beim Degen­duell im Kellerkrug Fimmel­stång. Nils Ferlin hat mit seinem Gedicht På källaren Fimmelstången Lucidor ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt.


Quelle: Stina Hansson, in: Wärldslige och Andelige Wisor av Lars Johanson ... Med melodier från hans egen tid funna och sammanställda av Martin Bagge, Göteborg 2004, S. 10 ff.