Lasse Lucidor
(1638 - 1576)

→ Original+Deutsch

Freiheitslied

Frihetsvisa

.

1.

Wollt ich mich sorgen, so müßte ich dumm sein,
ob es auch ginge mir überaus schlecht.
Siehe, die Wege des Glücks mögen krumm sein,
harre der Zeit nur, dann wird es schon recht.
Alle Welt will ja, alles soll bunt sein,
mancher lebt einfach und fröhlich doch zecht.

.

2.

Unglück es wechselt gleichauf mit dem Glücke,
das was beginnt, vielleicht währet nicht lang:
hast du getrunken, wohlan denn und hicke,
Lust folgt auf Weinen und Harm auf Gesang.
Wer zu der Wahrheit weist mit der Krücke,
kann darum fallen auf ebenem Gang.

.

3.

Tau pflegt vom Himmel auf Bäume zu quellen,
Saft aus der Erde dann gibt ihnen Kraft
Stürmen zu trotzen. Könnte sie fällen
wohl eine Axt ohne eichenen Schaft —
der doch, wurmstichig, nichts kann bestellen.
Manch einer hofft, was das Los ihm nicht schafft.

.

4.

So soll mein Glück mit dem Unglücke streiten,
bis ich seh den, der streitet für mich.
Niemand den Rappen soll allzu hart reiten,
machst du ihn müde, verdrießet er dich.
Wenn irgend einer Verfolgung muß leiden,
ist sein Mut frei, wo sein Leib ist es nicht.

.

5.

So soll mein Mut sich sorglos bestreben,
Lasse ist bang nicht vor Haß, Neid und Zwang.
Niemand tu mehr, als Pflicht ihm gegeben,
Recht muß (trotz Unrecht) gehn seinen Gang.
Flieh wenn du kannst, statt im Unglück zu beben.
Schlingen dich zwingen, der das Glück nicht errang.

.

6.

Denke, mein Freund, es wohl ‘s lustig zu treiben,
auch wenn du wenig fröhlich fühlst dich.
Glück ist stets unstet und nirgends will bleiben,
gestern erst kam, heut verabschiedet sich.
So hab ich Hoffnung, ihr werdet einst schreiben,
daß ihr, unglücklich, seid lustig wie ich.