Gustaf Fröding
(1860 - 1911)

→ Original+Deutsch

Der Schmied

Smeden

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1.

Ich träumte, ich ging im kohlschwarzen Wald,
er glich einem eisernen Bau,
es wehte ein Wind, zugleich glühend und kalt,
wie ein Beben der Erde, so rauh.

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2.

Kein Gras war zu sehn, nur Schlacke und Ruß,
und es klang wie Getrampel von Volk,
und dumpf wie ein bitter gemurmelter Gruß
und Gerassel von Schwert gegen Dolch.

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3.

Es war Ahnung von Kampfgewühl und von Streit,
tief im Ulvdal und Eisenwald,
ein Stürmen und Klingen, verkündigend weit:
Hier ist Fehde der Mächtigen bald.

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4.

Da gellte es hell in dem dunklen Gefild
wie von Hämmern mit zornigem Schlag,
und von fliegenden Funken der Wald war erfüllt
wie vom Schlot einer Schmiede im Hag.

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5.

Ich näherte mich und sah in dem Licht
einen altersgebeugten Greis,
und wild war sein Haar und grau sein Gesicht,
und sein Rücken gekrümmt und voll Schweiß.

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6.

Und ich dachte leichthin: Ein Knecht ist es nur,
ein alter, zermürbter Schmied,
der haust in der Hütte in nebliger Flur
unter Herren mit herrischem Tritt.

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7.

Nur ein Schmied unsrer Zeit, der schmiedet den Pflug?
Nicht Waffen für Fehde es gilt?
Nur ein Blendwerk, ein Traum, ein Sinnentrug,
nur ein Wald und ein friedlich Gefild!

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8.

Da erhob sich der Alte und reckte sich hoch,
die Gestalt war erhaben und hehr,
der mächtige Arm mit dem Hammer, der flog
zu schmieden Waffe und Wehr.

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9.

Ich sah des mächtigen Alben Gesicht,
es war Völund, Ivaldis Sohn,
und schwer wie ein Fels war des Hammers Gewicht
und wie Donner dröhnte sein Ton.

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10.

Geschmiedet hat er wohl tausend Jahr
der Rache furchtbares Schwert;
wenn der Kampf geht um Asgard, so wird es wahr,
daß die Götterwelt einst wird verheert.

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11.

*

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12.

Ich blickte mich um, ich sah keinen Wald,
ich sah ein eisernes Haus,
eine düstre Fabrik, wo der Hammer hallt
bei Gestampfe und Rädergebraus.

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13.

Es rasselte scharf wie Schwert gegen Dolch,
der Boden war rußig und rauh,
und überall sah ich verbittertes Volk,
und es bebte der mächtige Bau.