Im Frühtau zu Berge 

Wanderlied
Schweden 1906   —   Deutschland 1917

Im Frühtau zu Berge

Vi gå över daggstänkta berg

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1.



Im Frühtau zu Berge wir ziehn, fallera,
es grünen die Wälder und Höh’n, fallera.
Wir wandern ohne Sorgen
singend in den Morgen,
noch ehe im Tale die Hähne krähn.

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2.

Ihr alten und hochweisen Leut, fallera,
ihr denkt wohl, wir wären nicht gescheit, fallera.
Wer wollte aber singen,
wenn wir schon Grillen fingen
in dieser herrlichen Frühlingszeit?

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3.

Werft ab alle Sorge und Qual, fallera,
und wandert mit uns aus dem Tal, fallera!
Wir sind hinaus gegangen,
den Sonnenschein zu fangen:
Kommt mit und versucht es auch selbst einmal!

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4.

Nun wandern wir selig Hand in Hand, fallera,
wohl bis in Phönix’ Wunderland, fallera,
mit seinen Märchenhallen
aus Rubinen und Kristallen.
Kommt laßt uns singend ziehen in das Wunderland.

Im Jahr 1900 dichtete Olof Thunman das Wanderlied “Vi gå över dagg­stänkta berg” und veröffent­lichte es 1906 in der Weih­nachts­ausgabe der humo­ris­ti­schen Zeit­schrift Strix. Und 1908 kam das Lied, von Edwin Ericson “nach einer tra­di­tio­nel­len schwedischen Mel­odie” vertont, in der Lieder­sammlung Den svenska frihets­visan heraus. Die bei­gefügte Ein­spielung wurde 1913 mit dem schwe­dischen Operetten­tenor Gustaf Adolf “Lucke” Lund wurde in Berlin erstellt, zu einer Zeit also, als es noch keine deutsche Version des Liedes gab. In Schweden gehörte es schon nach kurzer Zeit zum Volks­gut und kam so nach Deutsch­land. Der Straubinger Dichter, Komponist und Volks­lied­forscher Robert Kothe über­setzte die ersten 3 Strofen und veröffent­lich­te sie 1917. Der Musik­pädagoge und Volks­lied­forscher Walter Hensel fügte noch eine weitere Strophe hinzu und brachte das Lied 1923/24 in der Lieder­sammlung Finken­steiner Blätter heraus. “Im Frühtau zu Berge” wurde schnell auch in Deutsch­land populär, ja sogar eines der beliebtesten Lieder überhaupt.

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