Olof von Dalin
(1708 - 1763)

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Die Liebeserklärung

Kärleksförklaringen

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1.

Philemon trieb seine Schafe zum Hag,
da sah er die Hirtin Camilla;
er grüßte sie hurtig und sprach: Guten Tag,
o sag, was bist du so stille?
Komm, setz dich hierher eine trauliche Stund,
so will ich reden aus Herzens Grund,
es ist mein sehnlicher Wille.

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2.

O Hirtin, ein Feuer mir brennt in der Brust,
es ist ein lieblicher Schmerze,
er ängstigt und schenkt doch Freude und Lust,
im Harme noch mehr als im Scherze:
ich wollte, du fühltest wie ich jeden Tag,
das Feuer gäbe dir tausend Behag.
Der Himmel erweiche dein Herze!

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3.

O Hirte, sprach sie, o könntest du mir
den Namen des Übels wohl sagen?
Ja, Liebe heißt es, sprach er zu ihr.
Sie sprach: O, darf ich dich fragen:
Was ist das für Pein, die so schön man benennt?
Was tut man und fühlt, wenn im Busen es brennt
und wogt in lieblichen Plagen?

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4.

Wohlan, schöne Hirtin, von Drohung bis Qual
ein Herz hat hunderte Spiele:
Des Königs Vergnügen dagegen ist schal,
der Nessel gleicht neben der Lilie.
Sich selbst vergißt man, weiß nicht, was man tut,
es scheint uns, wenn sehnend wallt unser Blut,
daß Gold und Hoheit verfiele.

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5.

Im Hirn steigt es auf wie drängende Luft,
die augenblicklich macht wirre,
und Vorsicht, Weisheit und klare Vernunft,
all Klugheit geht hier in die Irre,
Verstand in schimmerndes Garn sich verspinnt,
der stärkste Held wird hier wie ein Kind,
und Klarheit wird buntes Geschwirre.

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6.

Wenn der, der dich plagt, einmal nicht ist bei dir,
dann schöpfest du Mut im Erinnern,
und wenn in Gesellschaft man wandert Spalier,
so freust du dich doch nicht im Innern:
In Einsamkeit findest du Freude und Pein,
und in Gedanken mit ihm bist allein,
der wohnet in all deinen Sinnen.

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7.

Wenn du in der Quelle, im Bach oder Teich
dich spiegelst, erblickst du im Klaren
ein anderes Wesen, das dir nicht sieht gleich,
das du noch nicht hast erfahren.
Das Wesen, das folgt dir bei Tag und bei Nacht,
es kommt und es geht, es wandert und wacht,
um einmal mit dir sich zu paaren.

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8.

Wenn irgendein Hirt in unserem Gau
dein Blut in den Adern kann rühren,
sein Ruf, sein Bild, seiner Augen Blau
das Rot deiner Wangen kann schüren:
Du seufzest, als ob dein Innerstes rief,
du weißt nicht, warum, doch der Seufzer ist tief,
den Herz und Seele ausführen.

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9.

Du würdest gehn über Berg, über Tal
zu ihm, der bereitet dir Plagen;
du siehst ihn, um dann in brennender Qual
den Blick zu ihm doch nicht zu wagen.
Es zieht übermächtig zu ihm dich hin,
du fliehst ihn ein wenig und willst ihn nicht fliehn,
so mußt du die Liebe ertragen.

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10.

Du schenkst generös einen freundlichen Blick
und läßt dich scheinbar vergnügen;
doch merkt man die Kluft zwischen Neigung und Schick,
und wem sich jemand will fügen.
Wenn er aber spricht, so lauschet dein Ohr,
wohl bist du beredt, doch zeigst es nicht vor;
deine Wangen doch können nicht lügen.

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11.

Genug, sprach die Hirtin, ich weiß und versteh:
Dies Übel ist just auch das meine!
Ich spürte wohl hunderte Male solch Weh
im Busen wie Pfeile und Steine.
So kann ich denn sagen: Verliebt bin ich sehr!
Du kennst wohl den Damon? Der ist es, ja, er,
mit dem ich mich heimlich vereine.

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12.

O armer Philemon, wie stockte dein Blut,
als ihre Worte dir klangen?
Dein Auge war rot, beklommen dein Mut,
du ließest den Kopf niederhangen.
Deine Liebe verlor ihr ganzes Latein,
du dachtest zu siegen: Die Mühe war dein,
den Lohn hat ein andrer empfangen.

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13.

Für Damon, der schlief unter grünem Geäst,
hast du gebaut eine Brücke.
So rast unser Schicksal: Du gehst und säst,
damit ein anderer pflücke:
Den Honig für andrer Genuß sucht die Bien’,
so gehn wir ins Spiel für andrer Gewinn,
hofieren für anderer Glücke.