Carl Michael Bellman

Carl Michael Bellman
(1740 - 1795)

→ Original+Deutsch

Der Stadtwald

Stadshagen

1.

Umsonst! Wohin ich schau,
nicht eine Nymph mein Aug erfreut,
vielleicht im Lehm der Au
ein Schuh ist hingestreut? Fin.
Nicht eine liebliche Bergère
zeigt scheu im Lauf den Fuß.
Ach! ein Pantöffelchen, sieh her,
liegt da als stiller Gruß.D.C.

2.

Die Dächer glänzen mild,
froh tönt der Vögel Morgensang,
doch quietscht kein Wirtshaus-Schild
an irgendeiner Stang’.Fin.
Ach hätte Fredman noch Verlag,
säh man an jedem Eck
’ne Deckelkanne mit Beschlag
und einem Adler keck.D.C.

3.

Ach! wo ich sehe hin,
ich seh nur Pfühle, Sumpf und Ried,
wo ich verlassen bin,
wo jede Nymphe flieht.Fin.
Wer hört mein Lied von diesem Stein
im sumpfigen Morast?
Die Elster dort am Wiesenrain,
die Krähe auf dem Ast?D.C.

4.

Sag, wo man Ähren sieht
sich ducken unterm Wind wie Gras?
Hört man der Schnitter Lied
und klirren Sens’ und Glas?Fin.
Umsonst sucht man die Garben hoch
und harret Lyraklangs,
nach Drottningholm flieht hier jedoch
die Göttin des Gesangs.D.C.

5.

Nein! In mein Klagelied
stimmt surrend ein nur Ungetier
und, irgendwo im Ried,
laut muhend Kuh und Stier.Fin.
Am Zaun mit seinem schiefen Tor
ein Pferd ermattet ruht;
der Reiter schläft auf seinem Ohr,
schnarcht selig ohne Hut.D.C.

6.

Welch Schwappen unterm Schritt
auf zapfenübersätem Damm!
Der Kauz herübersieht
von seinem Aussichtsstamm.Fin.
Doch nirgends eines Hirten Hand
als Gabe für Jeanette
aus diesen Büscheln und dem Sand
je pflückt ein Brust-Bouquett.D.C.

7.

Hier mag der Teufel sein
und dürsten, aber nimmer ich!
Ein frohes Herz, gut Wein,
das ziemt im Leben sich!Fin.
Drum von Gekeife, Joch und Zwang
zu Bacchi Kelter flieh!
Sing deiner Freiheit Lobgesang,
hier steht dein Gläschen, sieh!D.C.