Dan Andersson
(1888 - 1920)

→ Original+Deutsch

Der Bettler von Luossa

Tiggarn från Luossa

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1.

Um den Bettler von Luossa saß das ganze Dorf im Ring
und am Lagerfeuer hörte seinen Sang
über Tippler, über Bettler, über manches Wunderding
und seine Sehnsucht eine ganze Mondnacht lang:

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2.

“Irgendetwas hinter Bergen, jenseits Blumen und Gesängen,
irgendetwas hinter Sternen und dem heißen Herzen mein –
hört ihr? – etwas raunt und flüstert, will mich locken und bedrängen:
‘ Komm zu uns, denn diese Erde kann dein Reich nicht länger sein. ’

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3.

Oftmals lauschte ich ganz still dem leisen Wogenschlag am Strand,
und es rauschte still das wilde Meer im Traum,
und die Brandung warf mich sanft in jenes formenlose Land,
wo die Liebsten, die wir kannten, haben Raum.

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4.

Für ein ewig wildes Sehnen haben Mütter uns geboren,
aus den Wehen der Geburt stieg unser erster Jammerlaut,
und zu Gaukelspiel und Taumel hat die Erde uns erkoren,
als wir spielten Elch und Löwe, Bettler, Schmetterling und Gott.

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5.

Saß ich still an ihrer Seite, deren Herz gleichsam war meins,
schaffte sie Behagen unsrem Nest im Nu,
doch mein Herz rief unter Qualen: ‘ Was du hast, ist doch nicht deins ’,
und ein Dämon führte mich zu Trost und Ruh.

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6.

Was ich liebe, ist verborgen in der tiefen dunklen Ferne,
und mein rechter Weg ist hoch und wunderbar.
Und im Lärm und Trubel lockt es mich zu beten zu dem Herren:
‘ Nimm die Erde fort, daß etwas kommt, was vordem niemals war! ’

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7.

Folg mir, Bruder, hinter Berge zu den stillen kühlen Fluten,
wo die Meere träge schlafen in dem Bett aus Bergen weit.
Hinter Berg und Himmel heim zu meiner Mutter will ich sputen,
die mit goldumglänztem Nebelschleier schmückt ihr Rosenkleid.

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8.

Kühlt, ihr Wogen, unsre Wangen, die im Fieberfeuer glühen,
spült uns Meilen fort vom Leben, eh der Morgen schimmert fahl!
Ich war nicht von dieser Welt, und endlos waren meine Mühen,
meine Unruh, meine Zweifel, meine heiße Liebesqual.

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9.

Sieh am Muschelstrand das Tor, um das sich Rosenranken schlingen,
dort wo Wracks am Grunde modern und die Müden finden Rast.
Echos nie gehörter Lieder wie die Fiedeln silbern klingen,
wo des Glückes Kinder wohnen in dem Dom aus Sonnenglast.“