Religiöse Dichtung, Nr. 21

Über das Evangelium am Dreikönigstag.
Matth. 2, 1

In des Sternes sanften Strahlen,
die im Wolkensaume glühn,
sieht man dreie Wandrer ziehn,
trotzen Wüstensand und Qualen.
Bethlehem ist bald erreicht!
Not sie tausendfach begleitet,
doch das Feuer, das sie leitet,
macht den schweren Atem leicht.

Zwar Gefahr läßt sie erschauern,
und sie spüren Todes Hauch,
fürchten, daß beim kleinsten Strauch
mordbereite Räuber lauern -
aber vorwärts drängt ihr Blut,
trotzet Kälte, duldet Hitze,
Löwengrimm und Tigers Blitze;
denn der Stern gibt ihnen Mut.

Sieh, das Licht, das sie umfließet,
unversehens stille steht
und auf Heilands Majestät
sich mit hellem Schein ergießet,
in dem Stalle, karg und kalt!
Sieh! wie aus den breiten Fugen
Armut und Entbehrung lugen
und ein Esel klein und alt.

Drinnen kauert im Gebete,
eine Frau aus Juda-Land,
und es brennt auf Brust und Hand
schon die junge Morgenröte,
zeigt in ihrem goldnen Licht
auch ein Kind, in Stroh gebettet,
dessen Blick Verzagte rettet
und des Abgrunds Ketten bricht.

Ach, wie schön die Flammen zeigen
dieses Bild, so göttlich rein!
Und die Männer treten ein
und glückselig sich verneigen;
denn sie kommen von weit her,
nicht um Reichtum zu begehren,
sondern Himmels Ruhm zu mehren
durch Entsagung und Beschwer.

Und sie breiten ihre Gaben,
vor dem Kinde, zart und hold,
Myrrhen, Weiherauch und Gold,
ehren königlich den Knaben,
ob auch Neid Herodes sticht.
Sieh! der Stern noch heller strahlet
und mit Saphirfarben prahlet,
eh er stirbt im Sonnenlicht.

Laßt uns Gott ein Loblied singen,
eilen zu dem Stall im Feld!
Dort ging auf das Licht der Welt,
allen Menschen Trost zu bringen
und zu enden alles Weh.
Tod steht machtlos auf der Schwelle,
sieglos bleibt der Fürst der Hölle.
Engel jubeln in der Höh.