Matth. 23, 34">

Religiöse Dichtung, Nr. 16

Über das Evangelium am 2. Weihnachtstag.
Matth. 23, 34

Wir sahen Himmels Glanz in dieser Nacht der Stille,
befriedet war die Welt, beglückt der gute Wille.
Wir sahn im linden Licht das weite Himmels-All
umwölben hoheitsvoll ein Feld und einen Stall.
Wir fanden dort im Stroh ein Kindlein neugeboren,
das auf die Erde kam, zu retten, die verloren,
und mit der Unschuld Kraft und zartem Herzensschlag
die Erde zu erfreun bereits am ersten Tag.
Wir sahen Engelscharn sich brausend niederschwingen
und hörten Lobgesang aus tausend Kehlen singen!
Gewaltig da erklang in diesem Engelheer
der selge Jubelschrei: Gott in der Höh sei Ehr!
Wie strahlte diese Nacht, da die Natur erblühte,
die stille Woge glomm, der bleiche Mond erglühte,
der lichte Himmelsraum darüber sich erhob,
und jedes Hirtenzelt erglänzt im Freudenlob.
Doch ach! Das All erbebt ... nun kehrt sich Lust in Schrecken,
der goldne Schein verblaßt, der Tod droht ihn zu decken.
In Ohnmacht fällt die Welt ... Wir hören dich, o Gott,
der du die Sünde dämmst und leidest Pein und Spott.
Welch grausames Geschlecht, das deine Gnade höhnet,
das frech und ungestraft den bösen Lüsten frönet,
im Sündenpfuhl sich suhlt, in frechem Übermut,
das übel will und tut und sich befleckt mit Blut.
Im Auge Blitz und Harm, im Sinne Sturm und Eile,
im Atem Haß und Gift, in Händen Speer und Pfeile,
Verwirrung überall! Sie würfeln, gierig, scharf,
wer in dein Kreuz zuerst den Nagel schlagen darf,
bei jedem blutgem Stich sich brüllend niederhocken
und weiden sich am Schmerz und lachen und frohlocken.
Der schüttelt hier sein Haupt, und dort, von Bosheit matt,
lacht jener und verstirbt nach letzter Missetat.
Und ausgemergelt hier ein Hals und eine Stirne,
ein schöner Mund flucht dort, ob Scherge oder Dirne.
Und Lanzen ohne Zahl! Welch Sturm und Volkeswut!
Ja! Krieger ernten Sold für jeden Tropfen Blut.
Das allerkleinste Kind in seiner Mutter Arme
schon stammelt Haß und Mord und weint in heißem Harme...
Entsetzliches Geschehn .... Höre, Jerusalem,
du steinigst heute den und du tust Unrecht dem,
der Frieden sucht bei Gott und dir zeigt Jesu Pfade:
In Zions Kirche kommt der Spötter selbst zur Gnade,
und auch der Sündenknecht erringt des Lebens Land,
erhält die Krone einst aus seiner Liebe Hand.
Sieh! Liebe aber muß die Kinder dazu zwingen,
daß sie versammeln sich unter der Gnade Schwingen!
O! daß die Rührung nicht erstickt in Seel und Leib
durch Häme und durch Hohn, durch schnöden Zeitvertreib!
O Seele, prüfe dich! Entzünd dein heilges Feuer,
Gott suche im Gebet! Schau Gnade, reich und teuer!
Daß nicht dein Haus wird leer, elendig und zerstört,
und nicht der Höllenschlund dein heisres Rufen hört,
soll deine harte Brust in Demut sich bekehren!
So geh zum Gnadenmahl, tritt an den Tisch der Ehren!
Fort Trug und Gaukelspiel! Merk und vergiß es nicht:
Je größer Seine Gnad, je größer deine Pflicht!

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Die Engel offenbaren sich den Hirten

Man hat den Eindruck, als habe Bellman
diese Radierung von Rembrandt vor Augen
gehabt, als er das Poem über das Evangelium
zum 2. Weihnachtstag schrieb . . .