Religiöse Dichtung, Nr. 15

Über das Evangelium am Weihnachtstag.
Apg. 10, 33

Herr, du hast wohl getan, in dieses Haus zu kommen!
So ein Cornelius spricht, im Herzen noch beklommen,
demütig Petrus grüßt und in die Arme schließt.
Willkommen ist er ihm im Namen Jesu Christ!   –
Muß unsre Zunge nicht am selben Wort sich laben
und so auch unsre Brust für Jesum Freundschaft haben?
Wir kennen den Beschluß, den Gott uns mitgeteilt:
Ein Heiland wird geborn, der uns von Sünde heilt.
Wir gehen ohne Furcht in seinen heilgen Spuren –
der Weltenschöpfer selbst besucht die Kreaturen!
Der Morgenröte Pracht am Firmament aufgeht,
wie vor viertausend Jahr geweissagt der Prophet.
Sei uns willkommen du! der uns vor Abgrunds Wüten
durch seine Rettungstat auf immer wird behüten!
Vor deiner Krippe hart knien wir in dieser Nacht,
da alles ist erfüllt von deiner Gnade Pracht.
Herr, du hast wohl getan! Du tilgtest unsre Sünden,
in dieser Stunde neu wir frohe Hoffnung gründen.
Ach, unermeßlich weit das Meer der Liebe ist!
Aus Gottes Blut geborn ist unser Herre Christ;
auf Erden vaterlos und mutterlos im Himmel,
ein treuer Bruder uns im ärgsten Kampfgetümmel,
in Armut groß und reich und frei von Trug und Schein,
so wird er dermaleinst der Erde Richter sein.
Er gibt dem Herzen Raum, läßt atmen unsre Lungen,
und ist selbst von der Luft, die er erschuf, durchdrungen,
er, dessen Hand schon zählt die Tage dieser Welt,
nun unter Menschen selbst die eignen Tage zählt.
Er, dessen Kraft gewährt der Schöpfung zu gebären,
wird selbst geboren nun, mühselig sich zu nähren.
Herr, du hast wohl getan! Mit deinem eignen Blut
hast du die Welt erlöst, gelöscht der Hölle Glut.
Der zarte Blick von dir, der aus der Windel findet,
schenkt neues Leben uns und Höllenheere bindet.
Herr, du hast wohl getan! Doch ach, mein Jesuskind,
die Krippe und das Kreuz nah beieinander sind.

Elias Martin. Romantische Landschaft





Elias Martin.
Romantische Landschaft (Lavierung)