[36] Nachlese

Am Barbaratag 1785.

Während Movitz ein Tröpfchen sich füllte,
das noch in der Buddel war,
Mutter Wirtin klatschte und brüllte
in der Tür zur Gästeschar:
Kümmel, ihr Herren? für Zahlung in bar!
Denn weiss der Daus, ob man lebt nächstes Jahr?
Pro sit, Nachbar!

Mutter Maja stampft mit der Sohle,
heftig schwenkt ihr schwarzes Haar:
eine wahre Bacchus-Dohle
just vor Sodoms Hochaltar!
Wärmenden Fusel, ihr Herrn, biet ich dar
und ’ne Matratze mit Pferdehaar.
Pro sit, Nachbar!

In den Keller man hörte sie steigen
ächzend tappen mit Geknarr,
gleichsam Sklavin und leibeigen,
der die Fron geläufig war:
Pontac, ihr Herren, trotz Müh und Gefahr,
in diesem Römer so prächtig und klar!
Pro sit, Nachbar!

Sing ein Skål für deine Schöne,
bring ihr deine Freiheit dar,
doch erspar ihr Dunst und Getöne,
drum allein zum Wirtshaus fahr!
Klang, gute Herren, die Zeiten sind rar!
Skål! Vater Movitz schon rosig war.
Pro sit, Nachbar!

Bacchi Brüder waren versammelt
bei dem Fluidum, hell und klar.
Tür und Tor waren nun verrammelt
und zerstreut die muntre Schar.
Doch Bruder Movitz lag hinter der Bar
bei Mutter Maja auf Pferdehaar.
Pro sit, Nachbar!