[35] Nachlese

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Kom, sprach Bacchus, meine Nonne,
und dich meiner Gaben freu,
setz dich her an meine Tonne
in das blumige Fauteuil!
Laß uns Liebesgrillen töten,
und in Freiheit, stiller Ruh
soll uns Wein die Wangen röten:
Dein und mein Wohl, Süße du!

Laß mich flüstern in die Ohren:
Fliehe Amor wie die Pest!
Unsre Stille wär verloren,
wenn du dich ihm überläßt.
Sieh mich an, wie meine Wangen
blühn wie eh zur Frühlingszeit.
Nun soll unsre Freundschaft prangen:
Dein und mein Wohl, schönste Maid!

Sag, wie möcht ‘s den Kleinen gehen,
die ins Ehebett wir streu’n,
denen, kaum daß wir sie sähen,
gar der Tod schon möchte dräu’n?
Wenn er dann, uns zu entzweien,
in die Stube tritt herein?
Nimmer, nimmer will ich freien:
Dein und mein Wohl, immer dein!

Sag, wie man die Tränen spare,
wenn dein Reiz dereinst fällt ab,
wenn du auf der schmalen Bahre
wirst gesenkt in kalte Grab?
Keinen Freund fänd ich je wieder
von Geblüte oder Rang,
meine Göttin... Immer wieder:
Dein und mein Wohl! Kling, klang, klang!

Deine anmutsvolle Miene
macht den Wein mir lieb und wert.
Selbst aus bester Karaffine
kaum ein Trunk ins Blut so fährt!
Schönste Freundin, bist mir teuer,
willst du, willst du meine sein?
Bis zum Tode loht dies Feuer:
Dein und mein Wohl, immer dein!