[29] Nachlese

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(a) Pastoral. Tirsis und Daphne.

 

Daphne:
Weinst du, mein Tirsis? Mußt nimmer weinen!
Ach, welch ein Greinen — hu — hu — hu —
Wollen die Zähren
Reue erklären?
Komm, laß uns gehn im Nu — Nu — Nu
und in Trautheit streifen durch die Auen,
um nach unsren Herden auszuschauen.
Auch im Kummer kannst du mir vertrauen,
Tirsis, du weißt wohl, mein Herz hast nur du.

Tirsis:
Weißt du, von Iris hab ich bekommen
ach! und genommen — hu — hu — hu —
prächtige Gaben,
die sollt’ ich haben,
sieh mich so stolz von Hut bis Schuh:
Sieh den Hut mit roter Mandelblüte,
diese Lämmer, die ich fortan hüte,
diesen Stab von Zirbel bester Güte,
Hose und Hemd und noch Küsse dazu …

Daphne:
Prächtig, mein Tirsis! Nimmer ich hoffte,
daß in dir pochte — hu — hu — hu —
ach, solch ein Herze!
Ach, welch ein Schmerze
ist mir geschehn, geh zu — zu — zu!
Geh nur frei und suche neue Minne!
Tirsis doch bedenke und besinne,
ob er wieder solchen Schatz gewinne.
Leb wohl, mein Tirsis, mein Herzens Ruh!

(b) Pastoral. Elegie.

 

Celadon:
Weswegen, sag mir, weswegen grämst du dich?

Hab ich dich verdrossen?
Camilla, sag es mir, o sprich!
Liebste, o weine nicht gar so bitterlich!
Sieh, wenn Tau geflossen,
so zeigt des Tages Klarheit sich.
Camilla:
Celadon! laß mich mein Haupt hier lehnen,
still für mich vergießen meine Tränen.
Meine Brust :||:
klagt um meinen Hirten, meine Lust.

Celadon:
Härme dich nimmer! Bedenk, daß die Natur
zwar gibt, was uns entzücket,
doch bleibt zuletzt nur dessen Spur.
Sieh, diese Blume, der Augen Wohllust sieh,
noch vom Staub beglücket –
selber wird Staub, der ihr Anmut lieh.
Camilla:
Celadon! hör auf mich zu verdrießen.
Der mich prüft und mir läßt Tränen fließen,
wird mein Trost, :||:
neu gießt mir Lust in meine Brust.

Celadon:
Meine Camilla, vergib mir, wenn ich wag
etwas dir zu raten?
Folg Himmels Willen und Behag!
Sag, wenn du magst, wann ein Hirte lebte ab?
Ich will ihn bestatten
und betten sanft in einem Grab.
Camilla:
Celadon! er starb in meinem Arme.
Ach, mich schauert! Pan in Gram und Harme
klagt gleich mir. :||:
Treuer Hirt, ich will vergehn mit dir.

(c) Elegie. Der Tod des Adonis.



 

Einsamkeit! tröste die trauerschwere Brust!
Nur in deinem Grunde
ist Leben für mein Herz und Lust.
Trauernd ich klage! Mein Blut hör wie es tost!
Trost gib meiner Stunde,
mein Morgen färbt sich schwarz im Ost.
Echo, höre! Wo ist meine Gattin?
Irgendwo im dunklen Reich der Schatten?
Gib Antwort! :||:
Ach! von meiner Brust die Qual nimm fort.

Sterne schon glimmen, der Himmel sich verhüllt,
Blitze zuckend lärmen
und Regenguß die Felder spült,
Mond ist verschwunden und still wird’s im Gefild,
Fische nimmer schwärmen,
und auch der Maulwurf nimmer wühlt.
Echo, höre &c.

Doch meine Tränen mich hindern am Gesang,
Herz vergeht im Harme
und mehr und mehr fühlt Qual und Zwang.
Denn meine Liebste und Lust ein Leben lang,
geraubt aus meinem Arme
wird eines andren Hirten Fang.
Echo, höre &c.

Weinet ihr Hirten! Kommt weint und klagt um mich.
Pan, verlangst du Reue,
hab ich gesündigt gegen dich?
Wird dieses Herz denn so gnadenlos bekriegt,
daß dein Freund, der treue,
in Neptuns Schoß gestürzt bald liegt?
Echo, höre &c.

In deinem Schoße, du stolzer Meeresgott,
will ich mich versenken:
Adonis folgt Moiras Gebot,
wie Galatea sich gibt den nassen Tod.
So will ich auch denken,
Neptunus, siehe meine Not!
Echo, höre &c.

(d) Marsch zum Tempel der Moira. Elegie.

Moiras Priester, Priesterinnen,
Hirtinnen und Hüterinnen,
Männer, Frauen, Paphos’ Kinder,
Kommt und seht! Fine
Wo die Tempelzinnen ragen,
kann man das Orakel fragen,
suchen Rat gen Angst und Plagen
im Gebet.
Singt vereint im Tempelchor,
Den Weihrauch schwenkt!
Senkt, Priesterinnen, den Trauerflor!
Singen wir vereint im Chor
und tragen unsre Psalmen vor.
Der Harm bleib’ vor dem Tor! Da Capo

Priester nun das Tor aufschließen.
Sieh Adonis Tränen gießen
auf die Tempelfliesen.
Beugt sich still. Fine
Die von seiner Schönheit singen,
sehn den Tod ihn jetzt umschlingen,
Seufzer sich der Brust entringen.
Lächelnd still.
Singen wir vereint im Chor.
Den Weihrauch schwenkt!
Helft unsrem Bruder, helft ihm vor.
Singen wir vereint im Chor,
mit Adonis, der zuvor
Cupidos Magie beschwor. Da Capo

Amor, diesen Jüngling schone,
binde Iris’ Myrtenkrone
steig herab von deinem Throne
am Altar. Fine
Komm, herunter steige,
deine Liebespfeile zeige;
geht der Tag alsdann zur Neige
wird ihm Trost.
Singt nun vereint im Chor,
Weihrauch besprengt!
Senkt, Priesterinnen, den Trauerflor!
Singen wir vereint im Chor!
Beglückt Adonis wie zuvor
bei Iris’ sich verlor. Da Capo

(e) Pastoral. Das gerettete Lamm.

Tirsis, Coridon,
Adonis, Celadon
und Hirtinnen sich scharen
und klären
des Bären
Verzehr und was er fraß:
Weihrauch ins Faß!
Die Pfeife, Tirsis! Blas!
Kommt Männer, kommt, ihr Frauen,
zu schauen
voll Grauen
das arme Lamm im Gras.
Seht ihn verwegen eilen,
den Bär, der stahl das beste Lamm,
um zu reissen
und zu schleißen
und zu beißen
in das Lamm.
Schreien wir laut!
Ach, ach! zum Waldgott schaut!
Die Hirtinnen, sie weinen,
sie weinen,
sie greinen.
Den Bären jagt, ach, ach
ach unser Lamm!

Tirsis, Coridon,
Adonis, Celadon
mit Hirtinnen sich scharen,
erklären
dem Bären
Fehde mit Harm im Ton.
Kommt, schärfet eure Pfeile,
zeigt Mannestum und Lust und Mut,
um Gefahren
zu ersparen,
zu bewahren
dieses Blut.
Der Bär ist tot,
das Lamm ist aus der Not.
Nun frisch mit frohen Zungen
gesungen,
ihr Jungen
und ihr Alten, Lobgesang
mit frohem Klang!
Tirsis, Coridon,
Adonis, Celadon
mit Hirtinnen sich scharen,
erklären
dem Bären
Fehde mit Harm im Ton.

La fin