[22] Nachlese

Fredmans XXXII. Epistel
an die Beckman an einem Winterabend.

Mutter! Pforte geschlossen?
Luken dicht? Doch höre mein Lied
– – – lustig zum Morgen, prosit! Fine
Lotta, müde, verdrossen,
zottig und blaß, noch ziemlich perdid,
– – – triefäugig, narbig, igitt!
Ulla, ist bleich, wie gekreidet,
Beine, noch wenig bekleidet.
Tritt näher einen Schritt,
– – – ich bitt.
– – – Auf Visit’. Da Capo

Ohne Hosen? Und Löcher
zieren dein Cape, zieh die Mütz übers Ohr.
– – – Wärmer is' drin im Kontor. Fine
Mond versilbert die Dächer.
Glöckchen bimmeln vorbei am Tor,
– – – blitzen an Schlitten hervor.
Mächtig es kracht unter Kufen.
Höre den Brandwächter rufen.
Die deutsche Post just fuhr
– – – à jour
– – – um sechs Uhr. Da Capo

Türe auf zum Kontore!
Holz zum Herd, Bedienung, Respekt,
– – – Mädchen und Liebeskonfekt. Fine
Wie heißt die Maid mit dem Flore,
die die behandschuhten Arme ausstreckt,
– – – anmutig gähnt und bleckt?
Laß deine Blume mich pflücken,
wo kommst du her, mein Entzücken?
Von Finnland her, direkt?
– – – Perfekt
– – – aufgeweckt. Da Capo

Mutter, hier sind vier Kreuzer
und ein Heller im Hosensack, sieh!
– – – Movitz, bläst ’ne Symphonie, Fine
Teufel! mit Fäustling und Schneuzer.
Finger gefroren? Nun zeig dein Genie,
– – – spiel eine Polska wie nie.
Turmwächter schnarcht auf der Zinne.
Trommeler wirbelt die Pinne.
Wer da? Patrull’ o wei!
– – – Geschrei.
– – – Ah, vorbei. Da Capo

Öffne die Öse am Bande!
Tür angelehnt, was für ein Gejohl.
– – – Himmel, bei dir ist mir wohl. Fine
Ein Mamsellchen vom Lande?
Schwester, lieg nicht in der Ecke und schmoll,
– – – bleich wie ‘ne Leiche und hohl.
Fort von der Türe, Eunuchen!
Mutter, was gibt es zu fluchen?
Mach fort, bring Branntwein her
– – – und mehr
– – – zum Verzehr! Da Capo

– – – Movitz kennt alle Schwestern,
sind dieselben wie voriges Jahr.
– – – Mutter, dein Trunk der ist rar Fine
und macht lustig wie gestern.
Wachposten torkelt mit Trommel zur Bar.
Morgen ist klirrend und klar.
Mutter adieu, hör Patrullen!
Gurgel ist steif und geschwollen,
bereift sind Haut und Haar,
– – – und starr.
– – – Adjö, ich fahr. Da Capo

Übersetzung: Klaus-Rüdiger Utschick