Jugendgedichte II, Nr. 44

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Frisch auf in das Wirtshaus aufs neue
denn Bacchus erwartet uns dort.
Apollo zu schwören die Treue,
das wär ein beschwerliches Wort;
sein Zetern kann Liebe nicht nähren,
so sag ich ihm gerne Ade,
will lieber zum Fasse mich kehren
und laben die durstige Seel.

Laß Toren des Hochmuts nur reden
von Hoheit und Ehre und Pracht,
und Menschen wetteifern und streben
und geifern nach Einfluß und Macht.
Manch Hoffnung zerstiebt rasch wie Asche,
bekriegt und meuchlings besiegt —
so sei's, wenn mir bleibt meine Flasche,
in der alle Köstlichkeit liegt.

Laß Bäuche sich hungrig verzehren
von Gier nach dem Edelgestein,
ihre Tage und Nächte beschweren
mit Wacht an Schatulle und Schrein
und seufzen in Harm und in Wonne
im lechzenden brünstigen Ton —
wenn nur meine herzliebste Tonne
verfällt nicht der gleichen Passion.

Laß Doktor Konfuzius sich mühen,
zu schaffen Vernunft mit Gewalt
und Klugheit aus Schriften zu ziehen,
ich werde in Einfalt wohl alt.
Wo Wien oder Rom sind belegen,
das gilt mir so viel wie der Sand —
sofern sie mir nur nicht begegnen,
da ich hab den Krug in der Hand.

Laß andre sich müh’n und gelüsten
und sehen in mir ihren Feind.
Mag Sippschaft der Eitelkeit rüsten,
um mich zu bekriegen vereint.
Mein Sinn will sich damit nicht quälen,
ich bin ja das Kämpfen gewohnt —
alhors! wenn meine Bouteillen
von Plünderern bleiben verschont.

Laß Venus mit lieblichen Scharen
frei wandern vorbei hier am Haus.
Und wollte sie mir nicht willfahren,
ich machte mir wenig daraus.
Doch gibt sie ‘nen Korb mir im Harme,
dann denk ich: So möge es sein —
wenn ein Laufbursch den Korb trägt am Arme
und bringt mir ein volles Glas Wein.

Ja, lasse die Erdkugel bullern
und Welten zum Waffengang gehn,
die Dörfer und Städte laß kullern
und fallen und flammend vergehn.
Besteht diese Welt nur aus Sorgen —
so sei’s, wenn der Keller nur steht,
dort wo ich ein Glas mir kann borgen,
solang’ noch die Erde sich dreht.

k-r u