Jugendgedichte I, Nr. 13

Bacchanalisches Morgengebet

Was hab ich zu verzehren,
ich armer Sekretär?
Auch ich muß mich ernähren
wie andre Menschen mehr.
Ich hungere und giere,
mit Hut und schön perückt,
im roten Mantel friere,
der leere Magen zwickt.

Mein Portjuchhe ist mißlich,
hat weder Geld noch Gold,
und den Brillantring schließlich
der Teufel hat geholt,
mein schöner Messingdegen
verpfändet für ‘nen Fisch,
ich hoffe, nach Norwegen
am Ende ich entwisch.

Mit Weste, Hut und Franse
auf mondbeglänzter Au
ich doch für Chloris tanze
wie eine bunte Sau;
von Auerhahn ich schwärme,
von Ente und Fasan —
und nähre meine Därme
mit Brot, getunkt in Tran.

Es pocht und sticht im Leibe.
Die Maus ob roh ob gar
zu Besuch in meiner Bleibe
äß’ ich mit Haut und Haar.
In Daunen und Papieren
sind Läuse ohne Zahl,
gleichwohl sich nicht rentieren —
ein allzu magres Mahl.

Ich Armer doch zum Glücke
seit kuzem bin beweibt —
mit ihr, die an der Brücke
den Waffelstand betreibt,
wo ich mit Hut brilliere
und gehe ihr zur Hand
und manchmal zapfe Biere
an ihrem Waffelstand.

So trifft man Kameraden,
‘nen Kutscher auf dem Bock,
ein andermal Frau Platen,
die haben mich am Rock
mit ihrem alten Liede:
Gebt hübsch die Münze her!
Ich sag: bin bald liquide,
schreibt hübsch auf, bitte sehr!

So macht man schöne Worte,
wenn Bären kommen nah,
doch die sind von der Sorte,
die säuselt chapeau bas:
Herr Sekretär, mein guter,
Ihr habt doch Rock und West’
und schönes Seidenfutter?
Iam consummatum est.

[Wohin soll ich mich wenden,
ich bettelarmer Mann?
Es rückt von allen Enden
die Bärenmeute an!
Die Tür zu meiner Kammer
geht auf gleich auf der Stell,
sie rücken mir – o Jammer! –
aufs arme Schreiberfell.]