An Gustaf III. und das Königshaus, Nr. 42

An Ihre Kgl. Hoheit
PRINZESSIN SOPHIA ALBERTINA
am 8. Oktober 1781 im Namen der Jagdhunde.

Zu Dianas Ruf im Walde
hoch zu Berg am steilen Fall
unter Jagdhorns Widerhall
sputet Ponto, daß er balde
seiner Künste eingedenk
wittre, spüre auf und jage
und zu deinem hohen Tage
dir den ersten Hasen schenk.
PONTO.

Dieses hohen Festes Gang
Äols Stürme nimmer kränken,
mag auch Blitz mit Donnerklang
sich auf Flur und Spuren senken,
will Pontina – ich – doch schenken
dir den ersten Hasenfang.
PONTINA.

Waltman, mein Gemahl es liebt,
daß ich wittre auf der Heide,
doch noch mehr empfinde Freude,
die dein Festtag heute gibt.
Und die Welpen von Waltina,
alle viere en quadrille
gehn von Svartsjö bis nach China,
wenn es Eure Hoheit will.
WALTINA.

Zwar sind wir noch jung an Jahren
und kaum kennen Svartsjö Feld,
doch vielleicht bald jagderfahren
zieren wir Dianas Zelt,
wo ich, Euer Hector, belle
wie das Jagdhorn hell und gell,
und mein Schwesterchen Fidella
läuft beinah wie ich so schnell.
HECTOR.

Lieber Hector, kannst du singen!
Doch trabt allzu hoch dein Wort.
Sieh den alten Tobak dort
leicht auf weißen Pfoten springen;
und, mit schwarzem Pelz berockt,
hat er manchen Blick bekommen,
den man dir und mir genommen,
ganz umsonst hab’n wir gelockt.
FIDELLA.

Nimm die Büchse, tapfrer Schütz!
Eh die Morgensonne schreitet,
mache dir den Tag zunütz’!
Hylée eilt an deiner Seite,
sieht mit sorgenvoller Mien’
Pulversäckchen, Spieß und Messer ...
Heute doch, meine Prinzesse,
wart’ ich auf mit Beckasin’.
HYLÉE.

Lebewohl, adieu, Hylée!
Auf zum Garten, fort zum Teiche,
um die laubgekrönte Eiche
streife ich, vorbei am See.
Ente in dem hohen Grase
abseits von der Entenschar
spür ich auf – schwupp – mit der Nase
und bring Ihrer Hoheit dar.
HARPA.

Svartsjö Hof in Sonnenhelle
stolz erstrahlt an diesem Tag.
Pan, erlaube, daß ich belle
zu Apollos Harfenschlag,
um mein Tagwerk zu beginnen,
daß ich, Sincka, ernte Lob
unter allen Dienerinnen
der Prinzessin hier bei Hof
SINCKA, Mulles Witwe.

Schöne Maid im weißen Frack,
Knabes flinke junge Witwe,
bald vermählt nach guter Sitte
mit Hochwürdigkeit Tobak,
wagt die Treppe zu gebrauchen,
sucht und schnuppert mit Geschick –
trifft sie dann ihr hohes Frauchen,
wird sie doppelt flink und quick.
SCHNEEWEISS, Knabes Witwe.

Als mein Wieso hingeschieden
und mich ließ zurück allein,
hab ich frohe Au’n gemieden,
Feld und Wald und Wiesenrain.
Zwar noch immer bleib ich ledig,
aber frei pulst nun mein Blut –
unter meiner Herrin, gnädig,
dien ich treu mit altem Mut.
ROSENROT, Wiesos Witwe.

Alles glänzt an diesem Tage,
und so wahr ich Flora bin,
nun mit meinem Harlekin
über Feld und Wiesen jage
und durch Röhricht und Morast.
Weke, sieh, spannt Ohr und Nase,
scheucht ein Spätzchen auf im Grase
und ein Kätzchen auf dem Ast.
FLORA.

Puff! Wär das Gewehr geladen —
piff paff puff verklungen kaum,
ging der Auerhahn wohl baden
Kopf voraus von seinem Baum!
Keinen Blick hätt ich verloren:
Zur Prinzess’ auf ihrem Platz
brächten wir den großen Schatz,
Weke – ich – und meine Flora.
WEKE.

Würdig auf devoten Pfoten
Tobak nun nach vorne tritt,
mit drei Witwen zur Visit’,
die in Kleidern – weißen, roten –
zeigen Eurer Hoheit sich.
Ich jedoch auf Schritt und Tritte
folge Sincka, Mulles Witwe:
wo sie ist, da bin auch ich.
TOBAK.