Gelegenheitsgedichte V, Nr. 60

Tisch-Lektionen für einen Steuerbeamten.

Nimm den prächt’gen Barsch zurücke
samt Gemüse und Kompott!
Denn ich bin nicht wert, weiß Gott,
daß davon das kleinste Stücke
sich in meinen Magen senkt,
eher selbst bin Fraß für Fische,
der ich sitze hier bei Tische,
eh man morgen früh mich hängt.

Dieser Apfelkuchen, Lona,
mich erinnert mit viel Qual,
daß ich ehedem bestahl
eines Apfelbaumes Krone —
und so Schwedens Krone jetzt.
Nur ein Trost vielleicht mir bliebe,
falls es gibt noch andre Diebe,
und der Kuchen mich ergötzt.

Fleisch mit Pfefferwurz und Feige
habe ich zum Fest verpraßt,
alsdann auf die Leiter steige,
und der Rabe wird mein Gast.
Wenn der Pfeffer ihn kann lähmen
und mein Dunst ihm nicht behagt,
will er sich vielleicht bequemen
und nur an den Gräten nagt.

Schöpf ich Butter aus dem Fasse,
kommt mir der Gedanke nett:
wie man wohl die Schnur anpasse
meinem Halse und Skelett.
Und der Käse mit der Rinde
mahnt an Herkunft mich und Blut;
doch ich schlemme und befinde:
ja er mundet wirklich gut.

Während ich dies Brötchen breche,
just ein Bild mein Hirn durchkreuzt,
wo so mancher Freund sich schneuzt
und läßt fließen Tränenbäche.
Dieser Schmaus, mir einverleibt,
endigt meine Beuteliste,
ungeraubt bleibt nur dies triste,
triste Armesünderkleid.

Da ich meinen Wirt seh kommen,
hoffe ich, bin ich liquid?
spüre ich noch Appetit?
glaube, mir kann eins nur frommen,
daß all dies ein Ende hat.
Und mein Herz pocht ungelindert,
doch was nimmermehr mich hindert,
ist die Zeche: ich bin satt.

k-r u