[3] Gelegenheitsgedichte III

Die Überfahrt von Frau Plat über den Styx im Oktober 1785

Vivat, Klang, meine schönes Weibchen!
So sang Bacchus, da er stand
vor dem Sud mit Birnenscheibchen
für das Bier an Charons Strand.
„Prosit!” hub er an zu singen
und vom Eimer schenkte aus.
„Zu Befehl, was darf ich bringen?
Schaffst du einen letzten Rausch?”

Mamsell Plat behaubt mit Tupfen
schlurfte auf dem Uferkies
arg geplagt von Gicht und Schnupfen,
und der Wind vom Wald her blies.
Während eine Nymphe hickte,
eine andre Waffeln aß
und Mamsell zum Trunk sich schickte,
zeigte Charon seinen Pass.

Charon schwer im Schilfgras platschte
mit dem morschen Ruderblatt,
um den Hals die Jutetasche,
die er für den Fährlohn hat.
Bacchus just geschäftig rührte
das Olymp-Willkommen-Bier.
Charon rief: „Pass op!” und führte
seinen Kiel an Bacchi Pier.

Bacchus rief: „Bei meiner Muse!
Sag, wen suchst du? Sag’s heraus!”
„Oh, ich suche die Meduse,
wohnhaft in Sankt Olofs Haus,
die den Lohn mir schuldet”, rief er,
„doch hat der Olymp befohln,
endlich ihre morschen Kiefer
samt den Resten heim zu holn.”

Frei bei Freia konnt’ man lieben,
eh das Bett sie niederritt,
die, so steht im Paß geschrieben,
ihren Aufenthalt ist quitt.
Furien am andren Strande
Fackel tragend sind geschart,
wo sie längs dem Uferrande
leuchten ihr zur letzten Fahrt.

Nach dem letzten Strahl der Sonne
ward Frau Plat ins Boot gebracht.
Bacchus winkte von der Tonne
Schwiegermutter Gute Nacht.
Donner grollte. Regenschauer
schwer aus allen Himmeln troff.
Hinter seine Kellermauer
tappte Bacchus heim und soff.