Gelegenheitsgedichte I, Nr. 72

Über die Reise zur Stadt
den 20. Aug. 1773

Ach! mein Haus ist leer und öde,
seit die Freundin ich verlor.
Sehne mich nur nach dem Tode
und verschließe nun mein Tor.
Hängt vors Fenster mir Gardinen,
an den Spiegel Trauerflor,
labt bei Tisch mit Karafinen
Trauergäste und Pastor!

Ist euch wert mein Angedenken,
so folgt still dem Leichengang,
ehe sich mein Sarg wird senken
in den Lehm am Kirchenhang.
Wickelt mich erst in ein Laken
einer löblichen Mamsell,
legt aufs Herz mir Davids Psalmen
und in ‘n Mund ‘ne Karamell.

Und auf meinen Sarg man schlage
ein versilbert’ Messingschild
mit Geburts- und Todestage,
so ihm noch ein Seufzer gilt.
Schreibt: ‘In diesem Sarg hat Weile
ein bedrückter Wandersmann,
todeswund von Amors Pfeile.
Amen! Schlaf er, wenn er kann!’