Fredmans Gesänge, Nr. 55

IN DER GASSE.

Mollberg die Flasche hob, Bredström vor seiner Türe saß
im selbstgewebten und streifigen Überrock,
sohlte Pantoffel und winkte den Mägden in der Gaß,
schwatzte und zankte mit Zwirn und mit Lederblock.
Und vor der Tür auf der Bank,
windschief und alt und schiefergrau,
standen zwei Schuhe, blitzblank
und himmelblau.
In der Nische in der Wand
standen Stiefel stolz gespannt
und Sandalen elegant
dem Ballhaus zugewandt.
Mollberg rief: “Zum Wohl, meine Täubchen, wert und bekannt,
Mohrin, Türkin, Maid aus Tatarenland!
Meine Flasche loht saffianrot in meiner Hand:
Amors Pfeile setzten mein Herz in Brand.”

Bredström besohlte den Stiefel und flickte noch ein Loch,
nahm einen Priem und aus vollester Kehle sang.
“Hier wohnt”, sang Bredström, “die dicke Malena immer noch,
mit Pelerine, zerschlissen wie ihr Volant.
Jene Malena –du weißt –
die mit den Ohrringen . . .” “Aha!”
“Drall um die Hüften und feist.”
“Hier wohnt sie?” “Ja!”
Einstmals eine schöne Frau,
ist sie heute alt und grau.
Ihre Augen strahlten blau,
doch jetzt sind fahl und flau.
Gegenüber, über dem Tore, hört man Radau;
da sind Mädchen, willig und hübsch und rund,
die in Betten kichern und schwirren, – schau nur, schau! –
kosen Wangen, küssen dich auf den Mund.

A-pe-pelbom-” “Na, was stotterst du Hund, nur frisch heraus!”
“Wo-wo-wo-wohnt sie hier?” “Ja, dort siehst du sie stehn,
mit Federbusch, blauem Kragen, Kamelhaar-Cape, vorm Haus.”
Schöße und Schnüre im fächelnden Winde wehn,
Schuhspitzen biegen sich keß,
lackrot mit modischem Plissee;
Hacken, die haben Noblesse,
sind weiß wie Schnee.
Sonnenschirm, resedagrün,
schaukelt gaukelnd, aufgespannt;
Schürze, Brusttuch, Flor und Band
streicht sie mit zarter Hand.
Hellbraun sind die Haare, zum runden Knoten gebannt,
hoheitsvoll im sonnengebleichten Hut.
Eine Blume liegt auf der Brust am Perlenrand,
blinzelt keck hervor in der Sonnenglut.

“Da-da-da-darf ich zu ihr in die Küche rein?” “O ja,
klopf nur ans Fenster und huste und räuspre fest!
Hörst du die Katze miauen und kratzen, ist sie da.
Klopfe und frage nur, ob sie herein dich läßt.
Höre Fidella im Fell
wild fauchen auf dem Canapé!
Sie ist zu Haus, die Mamsell,
wie ich versteh.
Frisch nun an die Türe hau,
klopf und präsentiere dich!”
“Lasse Wingmark ein und mich,
gnädigste süße Frau!
Mach die Tür auf, hier ist erlauchter Herrenbesuch.
Meine Schöne, sieh meine Hand bei dir,
deine Kleider flattern und fallen, Tuch um Tuch!
Lösch das Licht aus, Lotta gehört nun mir.”