Fredmans Gesänge, Nr. 48

Fünfzehnter November, o wehe,
im Jahr siebzehnhundert und achtzig und drei
rückt Bacchi Konkurs in die Nähe.
Frühmorgens sich trafen zur Schmauserei
bei Muttern im Rostocker Zimmer,
Herr Bürgermeister samt Magistrat.
Als erster der Präses, wie immer,
in blutroter Robe hielt Referat.

Es waren am Tisch ausgebreitet
Verpfändung, Verkauf, Hypothek und Kontrakt.
Herein wurden Wirte geleitet,
der eine war voll, der andere gepackt,
der dritte war durstig wie jeder,
ein vierter schon hatte genug.
Der Schreiber spitzte die Feder
und tauchte sie mißlich in Wirtsmutters Krug.

Herr Präses mit Zwieback im Munde,
Gesetzbuch gleich neben der Pontac-Terrin’,
die Sach’ fand beschlußreif zur Stunde,
Partei auch präsent zum beraumten Termin,
darum mit ’nem Schnaps erst belehrte
den nackenden Bacchus vorm Eid.
Gesundheit, Ihr Herrn Rechtsgelehrte!
Es wankte der Präses, zum Spruche bereit.

Herr Mollberg, Curator ad litem, 
legt vor das Verzeichnis, vollauf und ganz:
’ne alte Bierkann’ und item
ein Fäßchen mit allerbestem Pommeranz,
dem wurde schon sehr zugesprochen:
ist wert noch sechs Taler kontant,
’ne Flasche, ein wenig zerbrochen,
als Wert wird nicht mehr als ein Heller erkannt.

An Kleidung war nichts zu bemerken
als just eine Weste, die Bacchus noch hat.
Der Präses rief: Lasset uns stärken!
Die Kleidung, prosit! zwölf Pfennige grad.
Und diese zertretenen Schlappen,
wo Zehen sich holn frische Luft,
samt übrigen Lumpen und Lappen
sind nicht zu bewerten mit Menschenvernunft.

Bemessen ist nun und geschrieben,
und nichts ist vergessen. Was höre ich da?
Indem wir sind rechtens verblieben,
so singen wir, Freunde, ein lustig’ Hurra!
Ich pfeif drauf, was Gläubiger geben,
und trink lieber auf euer Wohl.
Ich schenke euch Leib und das Leben,
laßt Punsch und Zitronen vergolden die Bowl’!