Fredmans Gesänge, Nr. 40

Einst Ahasver, König mächtig,
mit der Perserkrone prächtig,
hundertsiebenundzwanzig Reiche besaß.
Bruder, leer dein Glas!
Herr Ahasver mit goldgelbem Flaus
wie ein Löwe saß im Frauenhaus:
Wollust war seine Ehre.
Trinke und verzehre
und die Flasche leere aus!

Schloß war voll von Antiquitäten,
scharlachroten Stofftapeten,
und die Sessel warn aus purem Gold.
Schlaf, mein Trunkenbold!
Saus und Schmaus im Schloß von Susa war
hundertachtzig Tage in dem Jahr:
König Ahasver traktierte.
Prost auf solche Wirte,
laßt uns klingen, Paar um Paar!

Sieh Ahasvers Tische prahlen,
Most und Wein in Goldpokalen,
Schinken auf den Tischen lag bereit,
jede Köstlichkeit!
Wie’s auch bei unsrem König üblich ist,
durften damals Landgraf und Obrist
an seiner Tafel speisen.
Lasset uns lobpreisen,
was man heut wie einst genießt!

Wie die Heilige Schrift erzählet,
war Ahasver auch vermählet,
Königin Vasthi, so hieß sein Gemahl.
Hoch den Weinpokal!
Ihre Majestät von Persien
wollte nicht beim König schlafen gehn;
als er war brünstig,
war sie mißgünstig,
wie so manche Gattinnen.

Voll von Wein und Liebesplage,
schickt Ahasver am siebten Tage
zweie Kammerherrn zur Gattin hin,
seiner Königin.
Aber wer nicht selber geht zur Deern
und statt dessen schickt den Kammerherrn,
kann sich nicht beklagen.
Laben wir den Magen,
lasset uns die Gläser leern!

Vasthi schert sich nicht die Bohne,
einer andren ließ die Krone.
Mägdlein Esther, schön und wohlgebaut,
wurde Königsbraut.
Auch ihr alter Vetter Mardochai,
der ein rechter Schelm war, kam herbei.
Prost auf Judenschläue,
auf die Braut, die neue,
prost auf neue Liebelei!

Unverdrossen stand er Wache
vor des Königs Schlafgemache,
Esthers Vetter Mardochai,
ahnte Meuterei,
hörte, wie zwei Kammerherren dort
heimlich planten einen Königsmord,
frech sich verschwörend;
das war empörend!
Hört! man hängte sie sofort.

Kön’gin Esther lädt zum Feste,
und es kamen viele Gäste,
Seine Exzellenz, Herr Haman, kam auch.
Brüder, füllt den Bauch!
Alles trank, und Esther weinte sehr,
Schönheit macht seit je der Welt Beschwer:
Haman der Stolze
baumelt am Holze,
blau, pausbackig, dick und schwer.

Sieh Ahasver! Sieh, dort hißt er
seinen Premierminister
an dem Galgen fünfzig Ellen und mehr.
Welche Karrier’!
Und als bester Freund der Dynastei
kriegt den Purpurmantel Mardochai
und ’ne goldne Krone
auf den Kopf zum Lohne.
Trinken wir auf alle drei!

Weh, du Welt mit deinen Schlingen,
die der Hoheit Unheil bringen!
Greulich nah das Glück dem Abgrund ist,
was man oft vergißt.
Stolzer Haman Strick und Haube trug,
als den letzten Hals- und Kopfesschmuck.
Zieh Ahasvers Lehre:
Trinke und verzehre!
Das allein ist mir genug.