Fredmans Gesänge, Nr. 21

TISCHLIED.

So trotten wir gemach und fromm
von Bacchi Trubel und Tumult.
Und wenn der Tod ruft “Nachbar, komm,
dein Stundenglas ist voll”,
dann, Alter, wirf die Krücke fort,
und Jüngling, höre mein Gesetz:
Die Nymphe, die dir lächelt dort,
nimm in die Arme jetzt!
Dünket dir zu tief der Grund des Grabs,
nun wohlan, so nimm getrost ’nen Schnaps,
trink noch ein’n oder zwei oder drei hinterher,
dann stirbst du fröhlicher!


Du mit dem Römer an der Press’,
gerötet und an Reben reich,
bald schreitet trauernd ein Prozeß
und folget deiner Leich,
und du, der führt das große Wort,
mit Stern und Band als Ordenslohn,
der Schreiner deinen Sarg macht dort,
den Deckel hobelt schon.
Dünket dir &c.

Und du, der stets verdrießlich ist
und hinter Gitter, Riegel, Schloß
auf seinen Pfenn’gen filzig sitzt
in seinem finstren Loch;
du, der mit Eifersucht und Haß
entzwei schlägt Flaschen und Pokal,
sag Gute Nacht, trink aus dein Glas
und grüße den Rival!
Dünket dir &c.

Du, der mit aller Titel Klang,
vergoldet hat sein’n Bettlerstab:
dein Schilling reicht trotz deinem Rang
für deine Bahre knapp!
Doch du, der böse, faul und feig
sein Kindbett schmäht mit wildem Groll
und säuft doch täglich bis zur Neig’
und ist sternhagelvoll,
Dünket dir &c.

Du, der zu Mars’ Posaunen gleich
in blutgem Hemd nimmt seinen Schritt,
du, der in Chloris Armen weich,
sich tummelt feig im Bett,
und du, der mit dem goldnen Buch,
erhebt zu Tempels Echo sich
und wiegt sein Haupt gelehrt und klug
und führt gen Abgrund Krieg,
Dünket dir &c.

Du mit der Miene treu und rein,
der seine Freunde schmähet kraß,
verleumdet sie bei seinem Wein,
und das gleichsam zum Spaß;
und du, der sie verteidigt nicht,
obwohl du dir die Finger leckst
nach ihren Flaschen ganz erpicht,
was antwortest du jetzt?
Dünket dir &c.

Du, der du nicht, wie sich’s gebührt,
solang du sitzt bei Tische hier,
das Glas erhebst auf deinen Wirt,
der Prosit ruft zu dir,
dich jage man von Schmaus und Wein,
hinaus samt deiner Sippe schmeiß
und noch den Becher obendrein
dir von der Lippe reiß!
Dünket dir &c.

Bist du zufrieden, Nachbar, jetzt,
so preis den Wirt für Trank und Schmaus!
Hab’n wir den gleichen Weg zuletzt,
so folge mir – trink aus!
Doch erst mit weißem, rotem Wein
wir wollen unsre Wirtin ehrn
und hinken dann ins Grab hinein
im Licht vom Abendstern.
Dünket dir &c.