Fredmans Gesänge, Nr. 8

WUNSCH EINES BACCHUSJÜNGERS.

Ach, wenn wir hätten, o Freunde, ein Schaff
ungarisch Wein, uns zu laben,
trügen wir es mit der Tragstange brav,
lobeten froh Gottes Gaben,
dieneten freudig Bacchus als Sklav,
lägen flach mit der Zunge am Schaff!
Ach! wenn wir hätten, o Freunde, ein Schaff
ungarisch Wein, uns zu laben!

Wäre das Schaff auch schwer wie von Blei,
trüg ich‘s doch leicht und mit Würde,
fühlte mich rüstig und rosig dabei,
nähme auf mich Bacchi Bürde,
und mein Kumpan mir sänge zum Preis
und mit der Tragstange tanzte im Kreis.
Ach! wenn wir hätten, o Freunde, ein Schaff
ungarisch Wein, uns zu laben!

Nicht auf dreihundert Schritt eine Seel’
dürfte sich nähern uns Zechern,
ja, auch nicht eine durstige Kehl’
dürfte uns stören beim Bechern;
käme doch einer, wir nähmen die Stang,
wacker zu fechten im klirrenden Gang.
Ach! wenn wir hätten, o Freunde, ein Schaff
ungarisch Wein, uns zu laben!

Ob es wär Sonne, ob Regen, ob Schnee,
Donner und Blitz oder Dürre,
fielen vom Himmel selbst Engel, juchhe,
in unser Schaff mit Geschwirre,
jagten wir sie in ihr himmlisches Haff,
bliesen Posaunen und tränken vom Schaff.
Ach! wenn wir hätten, o Freunde, ein Schaff
ungarisch Wein, uns zu laben!