Fredmans Episteln, Nr. 77

Über Jungfer Sophia im Krug zum Luchsen
und ein Malheur, das ihm passiert war.

Klang, meine Mädchen! Die Wolken verglimmen,
Sterne glänzen silbern auf Wasser und Land,
Mondlicht im Schleier läßt golden erschimmern
Wäscheklopfer, Körbe und Zuber am Strand.
Luchs auf dem Blechschild, wie glimmert er fahl,
hör an der Stange ihn fauchen und wimmern,
und um die Haube der Wirtin im Saal
sieh Goldgarnierungen flimmern.

Schiffer beim Humpen, mit schwarzer Perücke,
der mit schiefem Hute beim Würfelspiel steht,
macht einen Wurf und dann beugt sich zurücke
und mit wollnem Handschuh den Stein wieder dreht.
Dieser Kaptän, der umschifft jedes Riff,
schlief fünfzehnmal schon mit Jungfer Sophia
in der Kajüte im Zweimasterschiff,
ja, auf der Jungfrau Maria.

Klang! alter Fredman, nun tränk deine Asche!
Kling klang! meine Mädchen, schenkt ein für Kontant!
Übrigens, jener Kaptän bei der Flasche,
wisset, meine Mädchen, ist von Alicant.
Wenn er euch winkt und euch lockt an den Strand
und klopft vielleicht an die Tür eurer Hütte,
drei, vier Stück Tuch für ein Häubchen und Band
liegen in seiner Kajüte.

Seht seine Wimpel hoch flattern und fliegen
und die rote Flagge sich bauschen so rund,
an ihre Zipfel die Wogen sich schmiegen
zwischen Ruderkähnen und Pfählen und Grund.
An ihrer Kette die Tanzbärin zieht;
seht in den Gliedern das Mondlicht sich spiegeln,
und in dem Schatten des Segels, prosit,
einsam den Bierfiedler fiedeln.

Oh, wie die Reling doch schlingert und ticket,
und der große Mast, wie er ächzet und knarrt!
Sieh, auf der Kiste der Zollschreiber hicket
und auf seine Liste beim Bierhumpen starrt.
Gucke hinüber, mein Mollberg, zum Deck,
nimm dir das Sehrohr, das Auge laß schweifen –
siehst du den Greifer dort lauern im Eck?
Wen mag der Schurke wohl greifen?

Prost, meine Mädchen, ihr köstlichen Schönen!
Vater Bacchus, ach! ich muß hickend vergehn.
Stuhl dreht sich schwankend auf Planken, die stöhnen.
Ach! im Humpen schwand mir das Hören und Seh’n.
Das war fürwahr ein vortrefflicher Kauf,
solch Trunk zu gießen wohl hinter den Kragen;
doch ich gesteh, welchen Schnaps ich grad sauf,
das kann ich just nimmer sagen.

Sieh nur den dicken Kaptän dort scharwenzen,
drollig und verdreht und so dumm wie das Stroh.
Brandgelbe Strümpfe wie Krummsäbel glänzen,
und die große Spange versilbert den Schuh.
Prosit, Sophie, deine Schönheit ist weg,
wirr deine Haare um Schultern und Ohren,
Schürze in Fetzen, dein Schifflein ist leck.
Oh! Hör den Käpten rumoren!

Himmel, da kommt er gestürmt – sieh nur, sieh, ja! –
schwingend seinen Stock mit dem Knauf in der Luft,
hebt einen Stuhl und au, au! au, Sophia!
Au, au, au! mein Rücken in Stücken, du Schuft!
Bester Kaptain! – Au, God dam you, du Hund! –
Nie wieder will ich besuchen Sophiechen,
nimmermehr werde, ich schwör, ab der Stund
in ihre Laken mehr kriechen.