Fredmans Episteln, Nr. 67

An die Mutter Wirtin vom Hahn.

Vater Mowitz, du,
schnüre zu deine Schuh,
nimm ’s Waldhorn in die Hand, du Filou!
Stampf den Takt und blas,
deinen Kragen faß
und putz die Tobaksnas!
Schwärze und zwirbele
Mustasch
und wälze und wirbele
das Faß!
Öffne Pott und Spund!
Du bist stark, du Hund,
gesund und kugelrund.

Mutter Wirtin: Schau,
was ’ne prächtige Frau,
’ne flotte Alte. – Dir ich ’s vertrau:
bin seit Februar
zwar schon siebzig Jahr,
und grau ist auch mein Haar,
bummle mit Kerlen doch
ganz nett
und tummle mich gerne noch
im Bett.
Sieh, mein draller Arm,
meine Brust mit Haarn,
und fühl, ich bin noch warm!

Setz Perück adrett,
zupf die Strümpfe nett,
die Bürste nimm und schmier die Stieflett,
aus der Dose am Brett
nimm dir Farb und Fett
und flugs das Leder glätt!
Paß auf die Flaschen, nu’
gib acht,
dann rasch die Gamaschen zu-
gemacht!
So ist ’s recht! Charmant!
Komm und sei galant,
küß deine alte Tant!

Nimm das Waldhorn. Ja.
Auf die Luken da,
für Freias Truppe blase Trara,
für den Wagen am End
stoß ins Horn vehement,
und mach ein Kompliment!
Greif dir den Humpen auf
dem Faß
und pfeif zu den Lumpen auf
der Gass’
und ein Prosit sing
und den Wagen bring
und spring zu Ulla, spring!

Flor und Blumenzier,
seidne Strümpf sieht man hier
und Golduhr, Golduhr, Golduhren schier!
Nu’ macht Platz, alle Mann,
und den Hahn laßt ran!
Blas, Mowitz, mit Elan!
Leert bei dem Fasse den
Pokal
und kehrt von der Gasse den
Fiskal!
Pack dich, Teufelsbock,
fahr in Rüsche und Rock,
in Hochfrisur und Lock!

Ja, zur Hölle den Ball,
alle Nymphen im Saal!
Sieh! Satan harrt mit gieriger Krall,
hat ein Kleid angetan
und schlägt listig in Bann,
o Mutter, jeden Mann.
Doch jede Nacht stern-
hagelvoll
noch leg ich ’ne Deern’ gern
flach jawoll!
Wolln wir wetten schnell?
Mowitz hat auf der Stell
zur Nacht eine Mamsell.