Fredmans Episteln, Nr. 65

Zu Steuermannstochter Gretchens Tod in der Fabrik.

Mowitz mit Flor am Arme, schau,
Mantel dunkelblau,
stolz kommt wie ein Pfau: Fin.
Mit Stiefeln, grüner Hos, oho.
Weste schwarz – wieso? –
und Gürtel gelb wie Stroh.
Woher kommst du, Bruder Mowitz, mit Veilchen am Auge?
Habt acht! Just von einem Leichenschmause! D.C.

Ich stand vier Stunden unverwandt,
hart bedrängt, berannt,
Lanze ging zu Schand. Fin.
Der Wirt vom Leichenschmaus, der Hund,
Wirt vom Gröna Lund,
schlug mich auf den Mund.
Sieh her: Meine Zähne klappern im Mund, wenn ich rede.
Maul auf! Backenzahn fiel bei der Fehde. D.C.

O Harm! mein Aug von Tränen rann,
denn auf Amors Bahn
sah ich Charons Kahn. Fin.
Um Freias nimmermüde Maid
hat für alle Zeit
grimm der Tod gefreit.
Gretchen aus der Tuchfabrik, ach! du weißt, unsre Schwester –
prost! prost! – ist ein Engel nun, mein Bester! D.C.

Gretchen, auf Polstern aufgebahrt
und verschleiert zart
ging auf letzte Fahrt. Fin.
Die Hand hielt eine Tulipan,
doch mit Blättern dran
mit Geruch von Tran.
Gretchen! ach ein Spitzenhäubchen die Schöne garnierte.
Liebe brach ihr Zepter, resignierte. D.C.

Die Nymphe, Braut und fast Madam,
läßt dem Bräutigam
Artillerie und Gram. Fin.
Kapitän...er heißt ... ach, ist mir gleich;
Gretchen, schön und bleich,
leider eine Leich!
Nymphe rundum schön, wohin ich die Augen auch wende:
Brust hoch, runde Lende, schmale Hände. D.C.

O Feuer, das des Himmels Hand
gab in Meer und Land
all Natur als Band! Fin.
Doch ach! verglommen ist die Glut.
Siehe! noch ihr Blut
Freia Ehre tut.
Ach kalt! Lasset unsre Herzen sich wärmen an Zähren,
beim Glas unsern Trauersang erklären! D.C.