Fredmans Episteln, Nr. 52

An Mowitz, als dessen Braut starb. Elegie.

Mowitz, ich muß verzagen,
Mowitz, Mowitz,
sieh deine Braut, vom Tod geschlagen!
Bacchi Brüder hör ich klagen,
beschwören Himmels Höhn:
Der rauft sich mit den Händen,
der muß sich in Tränen wenden,
ohne Ende Seufzer senden.
Ihr Leben mußte enden
Charlotte, zart und schön. :||:

Prost, Freias fromme Frauen!
Charlotte, Charlotte
ließ selbst die Göttinnen ergrauen,
schlug auf Freias bunten Auen
einst Mowitz in den Bann.
Ihre Augen sprühten Lohen,
ihre Reize lockten Wogen,
zogen, da von Amors Bogen
die scharfen Pfeile flogen,
der Götter Blicke an. :||:

Wie in der klaren Welle,
sieh her, sieh her,
sich birgt geschwinde die Forelle,
folgt des Zephirs Wirbeln schnelle
und quirlend tanzt im Neer,
so auch Charlotte spazierte
und zu deinem Bette schwirrte,
dich verwirrte und umflirrte,
daß jedes Glied vibrierte.
Jetzt singe ich nicht mehr. :||:

Noch sehe ich dein Mädchen:
Charlotte, Charlotte
in der Garnfabrik am Spinnerädchen
nimmermüde spinnt ihr Fädchen
und lädt zum Balle ein.
Noch seh ich, wie Charlotte
legt zwei Knäuel zu dem Potte –
schwups! er weitet sich zur Grotte
von Pluto, Abgrunds Gotte;
die Nymphe sinkt hinein. :||:

So ging Charlotte von hinnen,
Mowitz, Mowitz,
begrab ihr Bild in deinen Sinnen,
lasse deine Zähren rinnen
und ruhn den Violon!
Flieh, Bruder, Freias Scharen,
deiner Freiheit drohn Gefahren;
dort wo Liebesschlingen waren,
nun Wirtshausfreuden harren:
Jetzt bist du frei, mein Sohn. :||: