Fredmans Episteln, Nr. 47

Über Mollbergs Rückkehr zum Sterbhaus
vom Wismar.

Wo bleibt Bruder Mollberg? – Just zur Sekund
dort wiehert sein Fohlen am Tor von Grönlund!
Dort steht er und schwatzt mit der Pfeife im Mund
und tätschelt den zottigen Hund.
An dem blauen Mantel, silbern und schier
er trägt ein Gehäng mit Pistol und Rapier
und Flor um die Ärmel in stolzer Manier
samt Blumen als liebliche Zier.
Tantes Brauner vom Wismar, langhalsig und matt,
säuft und schlürft aus dem Faß, das der Krüger dort hat.
Um den Wagen stehn Knechte. Wie ist er malad!
Gebrochen sind Achse und Rad. :||:

Grüßt ihn, Kameraden! Er ist bekannt!
Da kommt er gebrüstet, gestrafft und gespannt.
Pitsch! er schwingt die Peitsche mit kundiger Hand.
Pitsch, pitsch! wie er schnalzt elegant!
Seht die Haare flattern, soweit sie nicht stramm
als Haarpapillotten gewickelt auf Kamm.
Sporen und Steigbügel sind schwarzbraun vom Schlamm,
sein Fohlen ist sanft wie ein Lamm.
– Holla, Mollberg, zum Gruß! – Guten Tag, Kamerad!
– Sag, was hast du im Korbe? – Konfekt und Suckat.
– Und im Zuber am Arme? – Kohlrüben, Spinat,
und Fusel im Krug. – Delikat! :||:

Bruder, eh ich fuhr zum Nyboda Krug,
als zehnmal die Glocke von Brännkyrka schlug,
schmierte ich dem Glöckner die Kehle genug,
fünf Schnäpse warn weg wie im Flug.
Wißt ihr wohl, wie arg der Weg dorthin war,
wie schlammig, morastig und voller Gefahr?
Die Höfe verkommen, ein Elend fürwahr,
die Wälder so licht wie mein Haar!
Nicht ein einziges Tor rotgestrichen ich find,
und nur Disteln und Dornbüsche üppig dort sind,
leere Tümpel, von Norden ein eiskalter Wind.
Zum Wohl! Meine Augen sind blind. :||:

Für Madam, die auf der Bahre dort liegt,
ist ’s Laken, das sie als ihr Leichentuch kriegt.
Schau auf meine Liste: An nichts es gebricht,
es fehlt auch an Süßkümmel nicht,
Fische in der Reuse am Sattel, sieh her,
und Bretzel im Bündel, ihr Götter, ich schwör;
war es, meine Freunde, noch anderes mehr?
Nur Leichenzug und Kiste, mon chèr! –
War noch Branntwein im Haus? – Ja, ich fand ihn im Schrank.
Sieh, die Farbe ist richtig und schön. – Gott sei Dank!
Bruder Mollberg, nun reibe dein Fohlen schön blank
und stärk dich mit Speise und Trank! :||: