Fredmans Episteln, Nr. 46

Wie Mollberg zum Begräbnis der Wirtin vom Wismar laden soll, und über seine Abfahrt vom Sterbhaus.

He, aus dem Weg und macht Platz dem Kurier, geht zur Seite vor Mollberg! – Danke und Pardon!

Pitsch! wie er knallt mit der Peitsche, allons!
hoch im Sattel stolz wie ein Baron,
Rock aufgeschlagen, am Hut ein Kordon,
mit Pistolen am Gurt und prächtigem Basson.
Pitsch! Hört die Peitsche mit sirrendem Ton.
Und er lüpft den Hut und reitet schon
stille und stumm
rings herum.
So galoppiert er im Harme,
wippt ab und an,
beugt sich dann
wie ein bezechter Mann.
Mollberg, seht! hat Flor am Arme,
Flor auch die Pistolen umweht,
und das Brustbukett, erbarme!
ist aus Buchsbaum, seht!
Keck nimmt er hervor die Liste.
Höret, wie er liest korrekt:
Primo Wein, secundo Kiste,
tertio fein Konfekt.

Geht aus dem Wege, adieu und allons! – Aber warte doch, Mollberg! Haste nicht so sehr!

Pitsch! wie er knallt, wie er ruft kreuz und quer.
Bruder Mollberg, was führt dich hierher?
Ritter Sankt Georg in neuer Affär’?
Willst du ziehn gegen Drachen mit dem langen Speer?
Pitsch! Zum Begräbnis ich lade, mon frère,
heute abend, sechs Uhr ungefähr.
Höre mein Wort,
sie ging fort,
im Wismar starb sie um viere.
Ich hab Befehl,
jede Seel
zu laden. Keiner fehl’!
Mollberg, wacker nun amtiere,
schaff Musik und Lichter sogleich,
Leichenpfennig requiriere,
schreite vor der Leich,
spüle Gläser, steh bei Tische.
Lies die Liste! – Keine Not!
Quarto Pontac, quinto Fische,
sexto Saffransbrot.

Packt euch! Zum Teufel, macht Platz! Hört die Glocke, sie schlägt von Sankt Olof – sieben, acht und neun!

Pitsch! wie er knallt mit der Peitsche auf Stein,
gibt die Sporen mit dem rechten Bein.
Doch meine Tränen, dem Herzen zur Pein,
rinnen nieder: Hier steh ich Armer ganz allein!
Mutter vom Wismar, so bleich und so klein,
mit den Engeln teilt nun ihren Schein.
Solche Madam
Tod uns nahm!
Wer borgt uns so viel je wieder?
Ihre Gestalt,
steif und kalt,
nun wie Kristall erstrahlt.
Ach! ich seh ihr Bild, so bieder,
wie sie vor der Krugtüre saß:
Häubchen und garniertes Mieder,
in der Hand ein Glas,
ihre Augen noch ich sehe,
ihre weiße Brust, hihi,
Schönheit fortan ich verschmähe
und die Schönen flieh.