Fredmans Episteln, Nr. 44

Über die Witwe Bredström und Mowitzens Melancholie.

Mowitz ganz alleine
im Drei Lilien saß und sang,
lehnte an die Beine
Harfe breit und lang. Fin.
Feurig wie vom Weine
jeder Finger munter sprang
und im Lampenscheine
Mowitz’ Harfe klang.
Tausendschön und Myrte blühn
auf der Harfe golden, grün,
die mit Cherubim bemalet
prahlet,
jedes Herze läßt erglühn. D.C.

Harfenklänge glühten,
rührten jegliche Person:
Hirten in den Hütten,
Götter auf dem Thron! Fin.
Ja, mit Engelsschritten
drang ins Herz ein jeder Ton
und in heißen Bitten
flehte um Pardon.
Seine Harfe gab ihm Pracht,
da er sang von Abgrunds Macht,
schlug Akkorde, klopfte, klampfte,
stampfte
mit dem Fuß im Takte sacht. D.C.

Mowitz sang, mit Zähren,
harrend auf den Jüngsten Tag.
Wer nur tat versehren
Mowitz’ Herz, ich frag? Fin.
Fahr in Bacchi Sphären
hin zu Freias Myrtenhag,
du, dess’ heiß Begehren
Braut erringen mag,
der nicht mehr trank als sein Maß,
nicht die Pflicht darob vergaß:
Deine Cloris liegt begierig
rührig,
zeigt dir ihre Blumenvas. D.C.

Mowitz wollte schweben
fromm auf Amors heilger Bahn,
blieb an Witwe kleben:
wohlerprobt, erfahrn. Fin.
Mowitz durfte leben
voll und faul von Stunde an;
ihn zu senken, heben,
brauchte es ’nen Kran.
Als sie nun, versteh mich recht,
sich postierte zum Gefecht,
schlief er ein, ach wie verdrießlich,
mißlich,
just ein müder Bacchusknecht. D.C.

Braut, die hier ich nannte,
Brüder, war von Ehrbarkeit:
Bruder Bredströms Tante
von des Vaters Seit’. Fin.
Sittsam man sie kannte,
blaß und stille allezeit,
doch ihr Feuer brannte
unterm Hochzeitskleid.
Doch für Mowitz’ Agonie
gab es fortan kein Logis,
und zur Harfe schluchzt er wieder
Lieder,
spielt den Psalm von spät bis früh. D.C.