Fredmans Episteln, Nr. 42

Betreffend das Kartenspiel im Klub.

Du spielst aus. Ist ’s ein à tout?
Du hast Vorhand, Mollberg, du!
Licht aus und die Dame freie,
rufe Dreie!
Was hast du?
Kreuz As! Wohl bekomm ’s! Bekenn!
Zweie, Dreie, Prost, na denn!
Der Herz König ist geboten,
zeig die Pfoten,
Herzen brenn!
Süße Mutter Wingmark, komm rüber, stich drüber!
Sieben Stüber, sieben Stüber
kommt das Spiel zu stehn.

Ullas Kleid ist grün und grau,
Unterröcklein schimmert, schau!
Unterm Hals der Perlenbogen,
atmend wogen
Brüste, schau!
Mach das Spiel und nicht verlier!
Nimm Kreuz Sieben, Karo Vier,
König, Dame, Fünfe, Sechse!
Die Herz Hexe
liegt schon hier!
Wein nicht, Bruder Mollberg, was hilft das Gewimmer?
Karo immer! Karo immer!
Karten her zu mir!

Der Pik Bube, sieh mal an!
Ja, den wollte Ulla hab’n!
Zieh Pik As, dann wird es gehen,
laß mich sehen,
was wir hab’n!
Ja, so geht es, bitte sehr!
Zück das As, komm leg es her!
So wie gestern mag es glücken,
her die Piken,
Piken her!
Karo! spiele Karo, mein Herz will verbrennen!
Karos rennen, Herzen brennen.
Ulla, gib, ma chère!

Siehe, Ullas schöne Hand
zeigt uns Freias Rosenland,
gibt uns Karten und ihr Lachen,
läßt erwachen
Freias Land.
Ulla lächelt, Ulla lacht,
setzt sich hin und schaut bedacht,
und am Finger die Juwele
glitzert helle
in der Nacht.
Rufe! Wer ruft? Laß dich, Mowitz, nicht lumpen!
Faß den Humpen, faß den Humpen!
Karo in die Schlacht!

Blick hinauf zum Firmament,
Fenster öffne im Moment!
Winters Schärfe scheint geschwunden,
überwunden
im Moment.
Mutter Wingmark, sieh, wie mild
glimmt der Stern im Sterngefild,
und der Mond den Himmel zieret,
Wasser frieret,
kaum es quillt.
Ulla, nimm den Schal! Wenn der Tod dich zerbräche,
Tränenbäche, Tränenbäche
strömten auf dein Bild.

Auf dem See ein Schlitten schön,
mit Gebimmel und Getön
trotzt der Woge, bis sie plötzlich
bricht entsetzlich
mit Getön.
Sieh, das Roß mit warmer Lend
vor dem goldnen Schlitten rennt;
wie es schnaubt so wild und teuer,
zeigt sein Feuer
vehement.
Hei, sieh dort die Bauern auf Karren mit Kufen
lachen, rufen, lachen, rufen,
und ihr Pfeifchen brennt.

Gelbes Fohlen galoppiert,
mit hellblauem Quast geziert,
tänzelt feurig vor dem Schlitten
wohlgeritten,
schön geziert.
Wingmarks Fohlen munter springt
wie des Lappen Ren beschwingt.
Klang! Das Eis gefährlich singet,
bald ihn zwinget
und verschlingt.
Knabe auf den Schlittschuhen klirrt auf dem Eise,
springt im Kreise, springt im Kreise,
und die Kufe klingt.

Sieh den Hengst, im Lauf gestreckt,
jung und stolz, den Hals gereckt,
braun und weiß mit schwarzen Flecken,
sieh den Schecken
stolz gereckt;
und mit Zaumzeug, silberschwer,
trabt ein weißer Traber her:
wie er tändelt, schnell im Tanze,
mit dem Schwanze
fächelt er.
Kutscher fahren Bruch. Welch ein fluchend Bedauern!
Blau sind Bauern, blau sind Bauern,
Kutscher noch viel mehr.

Wölfe heulen tief im Wald.
Fenster zu! Es schneit, wird kalt.
In das Feuer muß du blasen,
wie in Kasan
ist es kalt.
Und des Waldes Wipfel, schau,
beugen sich herab weißgrau;
dick mit Schnee bedeckt sind Felder,
Berge, Wälder,
Tal und Au.
Mollberg, reich die Flasche! Ich giere und friere,
ach, ich giere, ach, ich giere,
steif gefroren, au!

An der Luke horch, wie ’s zieht!
Flocke wirbelt, stiebt und flieht.
Äol durch die Lüfte preschet,
Stern erlöschet,
Mond entflieht.
Drum bei lustigem Gelag
an so bitterkaltem Tag
laßt uns Bacchi Säfte preisen,
singen Weisen
mit Behag!
Kling! Klang! für mein Mädchen, so treu, in der Not treu!
Bis zum Tod treu, bis zum Tod treu!
Wer soll mischen, sag!