Fredmans Episteln, Nr. 40

Betreffend die Hochzeit im Knochendrechslerkrug.

Mach Platz fürs Hochzeitsmahl, du Hund,
ich schlag dich mit der Lanze.
Welche Enge,
welch Gedränge
rund um den Spund!
Schon geht es rund im Tanze.
Pflanz die Lanze
vor die Pforte!
Widerworte?
Hau ihn auf die Nuß!
Augen links! Gerade!
Achtung! Zur Parade!
Musket bei Fuß!
Au! im Schornstein brennt der Ruß.

Au weh! der Schornstein spuckt wie toll.
Ist Mowitz abgeblieben?
Unter Linden
wir ihn finden
sternhagelvoll.
Hui! wie die Funken stieben.
Hier geblieben!
Packt ihn am Kragen,
schlagt auf den Magen!
So ist es nett!
Halt, du trübe Tasse,
Ordnung in der Gasse!
Senkt Bajonett!
Halt! in Reih und Gliede steht!

Alarm! Ist voll das Wasserfaß,
so spritzet frisch die Planken!
Phönix sitzet,
gleißt und glitzert
golden und naß.
Mehr Wasser zu den Schranken!
Spritz die Planken!
Waldhörner schallen,
Wasser wallen.
Spielmann, halt Wacht!
Seht die Braut ankommen,
Lieb und Lust zu frommen –
G’wehr ab! Habt acht!
Venus gleich an holder Pracht.

Gewehr ab! Laßt den Marschall vor!
Er trippelt so geschäftig,
diskurrieret,
amüsieret
Wingmarks Madam,
Hut in der Hand und heftig,
prächtig, geschäftig,
wichtig schreitet
und geleitet
die Braut in den Saal.
Blast, ihr Musikanten,
Polskas und Andanten!
Hört den Korpral:
Präsentiert und leert Pokal!

Wer ist das Mütterchen am Tor?
Von unsrer Braut die Mutter,
drall und putzig,
Miene trutzig.
Laßt sie doch vor!
Flut auf die Glut, mein Guter!
Spute dich, Mutter!
Rein nur immer
hier ins Zimmer!
Auf Pauken hau!
Christian Wingmark, rühre
nicht an diese Türe!
G’wehr ab! Schau, schau!
Sieh Hans Casper hier mit Frau!

Laßt rein den Wirt! Wie kunterbunt
ist dieser Kinderreigen!
Gaßmamsellen
und Gesellen
tanzen im Rund.
Leier samt Horn und Geigen
spielen zum Reigen,
alles verdrängen
mit ihren Klängen.
Bräutigam schon wankt.
Blasbalg leise tretet!
Herr Magister betet,
stampft und schwankt
und mit Psalm und Loblied dankt.

Der Herr Magister tönt bewegt,
Baßgeige überdröhnet,
schluchzt und ächzet,
klagt und krächzet,
an die Brust sich schlägt.
Hört nur, wie er stöhnet,
donnert, dröhnet
von Sankt Paulus,
David, Saulus,
sündigem Planet.
Horn und Fiedel klinge!
Sieh, sie wechseln Ringe.
Präsentiert Musket!
Sieh Magister im Gebet.

Den Brauthandschuh zerriß das Pack,
Herr Bräutgam ist verdrossen,
Marschall glanzvoll
reicht ihm randvoll
Kelch mit Frontignac.
Schanktür aufgeschlossen!
Wein eingegossen!
Probst trinkt feste,
Braut die Reste,
und Brautmagd sich neigt.
Steht in Reih und Gliede!
Herr Magister, müde,
mahnend entsteigt,
plumps! und fällt ins Eck und schweigt.

Am Ende prügelt jedermann
und lärmt die Hochzeitswache.
Ja, Kabale
herrscht im Saale;
Probst und Bräutigam
stampfen den Takt zum Krache,
Hochzeitswache
Bacchus ehret,
Fässer leeret,
trutzt Rauferei.
Rest vom Fest sie klauben,
Spendengelder rauben;
einer, o wei,
nahm zwei Taler, Probst nahm drei.