Fredmans Episteln, Nr. 39

Über Mutter Bergströms Portrait in Liljans Krug
in Torshälla.

Sturm und Wogen endlich ruhn,
Himmels Blau ermattet nun,
endlich will es tagen.
Nebelfetzen jagen,
Wolken schwimmen,
golden glimmen,
Sonne himmelan will klimmen.
Winde in den Blättern wehn,
zerrn am Fenster, spielen schön
und in Espen brausen.
Quell und Wellen rauschen.
Hahn spreizt Flügel;
Knecht am Hügel
gibt dem Fohlen Zaum und Zügel.
In jedem Herd
brennt ’s lichterloh,
Feuer verzehrt
Span, Scheit und Stroh,
und der Milchbrei brodelt steife.
Und mit dichtem Schopf
Kätner hinterm Topf
kramt hervor die Tabakspfeife.
Und am Wiesenrain,
angelehnt am Stein,
Bauer seine Schaufel rührt.

Vater Wirt die Stiefel schnürt,
und den Branntweinbrenner schürt,
nimmt den Krug mit Biere
lachend vor der Türe,
Pfeife putzet,
pafft und pustet,
brummt den Burschen zu und hustet.
Mutter auf dem Kutschbock sitzt,
in die Hand die Wange stützt,
träg zum Himmel blicket,
gähnt und wieder nicket.
Sonn erquicket,
piekt und zwicket,
Mutter trinkt und selig hicket.
Mühlstein und Rad
kommen in Fahrt.
Jetzt akkurat
hörtest du hart
ersten Hammerschlag der Schmiede.
Sieh, mit heißer Zang
schmal und ellenlang,
nackt bis an die Leibesmitte,
steht der Schmied im Sand,
Blasbalg in der Hand,
und den Psalm zum Himmel ruft.

Lieblich spielen Wind und Luft.
Blumen strömen milden Duft,
öffnen ihre Knospen,
trinken Taues Tropfen.
Welch ein Tagen,
Duft getragen
vom Zephir von Alm und Hagen!
Wald steht stumm und dunkelblau,
Bühl und Mulde, Trift und Au
nähren Lamm und Rinder.
Mägde, muntre Kinder
hüpfen, springen,
hüten, singen,
Herden auf die Weide bringen.
Lerch in der Höh
fächelt und steht,
Gockel im Klee
flattert und kräht.
All Natur erwacht aus Träumen,
drängt zur Tat mit Macht
neu zu Glanz und Pracht.
Keine Schönheit zu versäumen
macht sich Mowitz auf,
faßt den Pinselknauf,
setzt sich vor sein Atelier.

Mutter Bergström, wie ich seh,
Spitzenhäubchen mit Plissee,
Brustbukett mit Knöspchen,
und im Arm ein Möpschen,
Ohrgehänge,
Schirmgestänge.
O welch närrisches Gepränge:
wie ’ne rosa Sau partout,
mit ’nem roten Schäferhut,
Mouche auf der Wange!
Nein, ich sah schon lange
keine Sachen
so zum Lachen!
Doppelkinn am alten Drachen,
Brüste gespannt
wölben sich stramm.
Ja, imposant
Liljans Madam
zeigst du, Bruder, auf dem Leinen.
Doch den Grund mir nenn,
was das Vögelchen
in der linken Hand will meinen?
Oh, der Grund ist der:
ihr Gemahl und Herr
Vater Bergström lebt noch sehr.