Fredmans Episteln, Nr. 34

An Mowitz, als das Feuer wütete in seinem
Häusergeviert in der Kohlmessergasse.

Ach, was für ’ne triste Koje!
Schloß zerbrochen. Ist da wer?
Hahn kräht gellend wie Hoboje,
Trommel ruft die Feuerwehr.
Schlagt Alarm, das Feuer flackert,
Jeppe, blas vom Turm, blas mehr!
Hört, wie er
wie ein Huhn gackert!
Läutet Glocken! Wasser her!

Niklas-Turm gleich Goldgeschmeiden
glimmt und flimmert in der Nacht.
Und im Heu zwei Weiber streiten,
um ’nen Trichter tobt die Schlacht!
Durch das Loch der Fensterscheibe
lugt die Katze und gibt acht.
Hund hält Wacht.
Aus einer Kneipe
lärmt es, poltert, weint und lacht.

Schornstein sprüht und Pumpe rasselt,
Rappen wiehert bang im Trab,
Erde dröhnt, und Wasser prasselt
und zum Norrström rauscht hinab.
Mannschaft! Schwenkt in Divisionen!
Vorwärts marsch und Flaschen leert!
Stehlt, begehrt!
Leert die Gallonen!
Schlaf und Traum der Schönen stört!

Sieh Kohlmessergass’, elende,
schmal und schmutzig! Gram und Graus!
Rathausdach an ihrem Ende
hinter Krug und Jungfernhaus.
Hinter schiefem Fenstergitter
Nymph mit Fellkapuz und Flaus.
Stracks pardauz!
Streit und Gezeter,
kahle Schädel. Bier ist aus.

Eine Karre voll mit Schlempe
steht am Gatter, schief und schwank,
und in der zerschlagnen Lampe
raucht der kalte Docht noch lang.
Und im Rinnstein ein Geselle
liegt wie tot, vom Branntwein krank.
Welch Gestank!
Was tun wir schnelle?
Schmeißt den Kerl auf eine Plank!

Ach! In diesen Sodoms Mauern
mancher in die Irre geht.
In Gewölben, heißen Schauern
irrt das Aug, wohin es späht.
Hier wohnt Mowitz. Welch ein Bullern!
Brandsignal und Bajonett,
Menuett,
Diebe, Patrullen,
Jungfernschreie, Klarinett.

An dem Tor das Schild noch hänget.
Prost, mein Freund, aus Herzensgrund!
Und ein Lächeln milde dränget
aus dem bleichen, gelben Mund.
Mowitz grienet, sieh ihn nicken,
schon in Charons düstrem Sund,
todeswund;
in deinen Blicken
kündet sich die letzte Stund.

Mowitz, laß dich nicht bedrücken!
Lach! Bei Pike und Gewehr
Themis’ Mäntel und Perücken
dort am Rinnstein, sieh, mon frère!
Goldne Tress’ in roten Flammen
heißt Gehorsam und Beschwer.
Trink, verzehr,
mit mir zusammen!
Nimm dir Kautabak, nimm mehr!

Auf den Nacken Baßviole;
Wirbel brennen rot und warm.
Und den Ledersessel hole,
achte Polster, Fuß und Arm!
Flöte, Leier und Bassone
häng dir um im Funkenschwarm!
Lustig, Alarm!
Bacchus dich lohne!
Und des Waldhorns dich erbarm!

Wie Aeneas einst in Troja,
Mowitz aus der Pforte geht;
Geige, Klarinett, Hoboja,
alles hell in Flammen steht.
Feuer flattert in Perücke,
Spritze auf den Nacken schlägt
Schlauch, er fegt.
Mowitz, dich bücke!
Wasser um die Beine weht.

O ihr Götter, euer Glücke
stellt als Trugbild sich heraus;
Armut doch an ihrer Krücke
leicht verläßt ihr enges Haus.
Mowitz geht zum nächsten Krug und
borgt vergnügt ein Glas sich aus;
für ’nen Rausch
kriegt er genug und
schläft getrost. Das Licht geht aus.