Fredmans Episteln, Nr. 15

An den Schuhmachergesellen Theophilus während dessen Verfolgung, geschrieben zu Trost und Abkühlung.

Mein teuerster Theophilus,
auf den Tisch gehörig haue,
sei vorm Zunftgerichte schlaue,
aber schlucke auch!
Bruder, nun rüste Balg und Bauch,
als mein Jünger mir vertraue:
Meisterstück im Wirtshaus baue
just nach Bacchi Brauch!
Setz deinen Hut auf, murre!
Hurra! die Flasche surre!
Schnurre und gurre
und am Blaumontag sauf!

Liebwertester Theophilus,
in den Spuren Bacchi fahre!
Messingkamm steck in die Haare,
nimm den Stock zur Hand,
knot um den Hals ein rotes Band,
häng die Uhr an Goldkandare!
Du bist schon im fünften Jahre
hier in Schwedenland.
Nase, sie schnuppert gerne
und funkelnd gleicht von ferne
dem Abendsterne
rot am Himmelsrand.

Rechtschaffener Theophilus,
laß das Blut, du Lümmel, rinnen
und dein Auge pflastern drinnen!
Bacchus selbst gibt her
Bleiweiß und Silberglanz und mehr
und dir hilft die Schlacht gewinnen.
Deine Nas – magst dich besinnen –
ward gespalten quer
von Säbeln der Korprale
bei blutiger Kabale.
Du bist fatale.
Trink den Becher leer!

Untadliger Theophilus!
Mit dem Glas ich zu dir laufe
und dein Haupt mit Weine taufe,
mit des Mutes Quell.
Backpfeifen schallen scharf und hell.
Pfeif auf Nas und Ohr und raufe
und mit Mut dein Glück erkaufe,
wackerer Gesell!
Wer deinen Kranz will brechen,
den Lorbeer dir absprechen,
zeig keine Schwächen –
gerb ihm derb das Fell!

Brenn ihm aufs Hirn den Leistenfuß!
Renn, Theophilus, zur Kanne,
trink und deine Feinde banne,
gib Revanche beim Bier!
Nimm dir das Glas mit Elixier;
Bacchus selber dich ermanne!
Alle deine Kräfte spanne,
sei sein Musketier!
Gott schwere noth und wetter!
Du säufst und wirst nicht sätter
und nimmer fetter,
du aller Schuster Zier!