$hs = $h_s; $hd = $h_d;

Fredmans Gesänge Nr. 32

Fredmans Gesang 32

Tritt vor, du Gott der Nacht, die Sonnenglut zu dämpfen,
den Stern am Firmament mit Abendrot laß kämpfen,
mach laue Woge kalt,
schließ müde Augen zu, gib Lindrung Qual und Krämpfen,
dem Blut, das heiß noch wallt!

Dein Mantel deckt die Welt. Betrachtet Floras Güter!
Die schönsten Höhen fliehn, wo finstre Grabeshüter
auf schwarzen Hügeln stehn,
bei Eulenschrei die Schlang, Maulwürfe, Höhlenbrüter
aus ihren Kammern gehn.

Kein Wurm regt sich am Quell, schon fällt der dunkle Schleier,
und taumelnd niedersinkt Timantes an den Weiher,
der spiegelt Mondes Rund.
An einen Ulmenzweig Alexis hängt die Leier
und schlummert ein im Grund.

Das Wasser plätschert leis, hinab zum Moose eilet,
in Bächen rinnet fort und sich im Feld verteilet.
Das müde Aug sich schloß,
und jeder Tropfen Blut gleichsam im Tod verweilet,
und doch im Lebensschoß.

Ein linder, lauer Wind nun zwischen Blättern sauset
und sanft die Wipfel biegt, nachtblaue Wellen krauset,
wo Rudrers Nachen liegt.
Zur Klippe, tiefgehöhlt, die gier’gen Hecht behauset,
die Brandung leicht sich wiegt.

Der Jäger ruhig schläft, das Ohr auf seinem Hute.
Und eingerollt sein Hund, im Schlaf selbst lauscht der Gute,
und träumt von einem Fang.
Der Fischer nah beim Schilf legt aus das Netz aus Jute
und plantscht am Strand entlang.

Dort wo die Bucht sich zeigt, bekrönt vom Uferkranze,
der Auenbauer tappt im hellen Mondenglanze,
die Wasserkann’ gefüllt;
sein Ländchen ist so grün, wie glänzet jede Pflanze
versilbert und vergüldt.

Die Ranke hänget schlaff und höret auf zu sprießen.
Der Tulpe Blätter, sieh! sich mehr und mehr verschließen,
da Regenschauer fällt.
Noch einmal bläst der Hirt, weit draußen auf den Wiesen,
und seine Lure gellt.

Nun sitzt die Lerche still, versteckt in Laubes Maschen,
sucht pickend dann und wann der Garbe Korn zu naschen,
und scharf die Grille singt.
Ganz tief die Schwalbe fliegt, flieht Pan, der sie will haschen,
vom Regen Kunde bringt.

Im Grase leuchten mild Windröschen und Maßliebchen.
Die Bachstelz’ macht sich fort, des Waldes nasweis Püppchen,
mit Trippelschritt, tripp tripp.
Hör Spatzenzeterei, die Jungen dort im Grüppchen:
tschip tschip, tschüp tschüp, tschip tschip.

Die Majestät der Nacht auf alle Wesen sinket.
Vor roter Wolke Pracht die alte Urne blinket
auf einem Hügelgrab,
und zwischen Drachen, Gold, Irrlichtern Pluto winket
zum Schattenreich hinab.

Nun herrschen Ruh und Fried und kommt der Schlaf, der traute.
Leg fort die Pfeife, Pan! Alexis, nimm die Laute
und sing im Laubgeweb!
Zyklopen, Faune, still! Als ob der Morgen graute
nach Sturm und Erdgebeb.

Laß Äols Spiel sich dann statt Wetters Wut entfalten,
gebiet dem Himmel Ruh, heiß Neptun innehalten
in seinem finstren Grund,
befiel der Klippe Grat, die Wasserflut zu spalten
in dieser teuren Stund!

Laß die Najade nicht am Strand ihr Spottlied singen
und den Triton laß nicht um ihren Schleier ringen,
im Flusse wühlen wild!
Mag rauher Südwind nicht die kleinste Woge bringen.
Apollo selber spielt.

Arachne, web nicht mehr, laß Schiff und Faden liegen! 
Will deine wunde Brust der Laute Macht bekriegen?
Nein, lausche der Musik!
Vulkan, nicht schmiede mehr, hör auf den Stahl zu biegen!
Doch nun – nun schlafe ich.

Übersetzung: Klaus-Rüdiger Utschick