Fredmans Episteln Nr. 62

Fredmans Epistel 62

Über den letzten Ball im Gröna Lund..


Corno. - - - Mowitz, das Waldhorn probiere,
nimm den Priem und walk ihn im Mund!
Spring durch den Saal, dirigiere,
Polska im Viereck formiere! - - - Corno.
Wie er hantiert mit Geklirre,
ordnet versiert die Geschirre,
welch Gewirr in dieser Stund!
Stühle nun wacker gegriffen!
Hirschfänger schärfer geschliffen!
Frisch Courage im Gröna Lund!

Corno. - - - Na, was bestaunst du die Wände
wie ein Frosch das himmlische Zelt,
Berge und Hügelgelände,
Kirchtürme, Flüsse und Strände? - - - Corno.
Sieh, welch ein munteres Leben!
Nymphen sich leise erheben
auf den Hacken, gucken beseelt,
wenden die Köpfe und schmachten,
falten die Fächer, betrachten
Lust und Gier der alten Welt.

Corno. - - - Laßt zum Gewölbe uns schauen
zu der Schar im göttlichen Schein!
Ach, jedes Auge erbauen
Päpste auf himmlischen Auen. - - - Corno.
Goliath selbst, ich beschwöre,
steht rot bestrumpft und mit Wehre,
während David schleudert den Stein.
Absalom baumelt am Aste,
dort greift der König Ahasver
Schwester Esthers nackendes Bein.

Corno. - - - Siehe, dort weiden am Bache
sieben fette Rinder im Gras.
Noah begibt sich zur Arche.
Gott, wie es regnet im Parke! - - - Corno.
Dort reitet Königin Disa
zu dem Propheten Elisa,
der am Himmel wandert fürbaß.
Über Susanna wir lesen,
wie es im Bade gewesen.
Auf die Nas das Augenglas!

Corno. - - - Mowitz, was gibt es zu gaffen?
Fackeln flackern, Flöten sie flirrn.
Siehst du den Marschall, den Laffen,
gestikulieren und schaffen? - - - Corno.
Zuckerguß glänzt auf den Strauben,
Flitter beglitzert die Hauben,
und die Röcklein zittern und schwirrn.
Alle die Polska erwarten,
gucken durch Luken und Scharten,
Ball beginnt, um bald zu verirrn.

Corno. - - - Mowitz am Waldhorn sich sputet,
mit der Polska eröffnet den Ball,
endigt darauf unvermutet,
dann wieder trillert und tutet. - - - Corno.
Mowitz aufs Notenblatt blicket,
schmettert und trillert und nicket,
tickt und stampft; der Kerl ist fatal,
just wie ein Mönch in der Kutte,
Mundstück, es blinkt in der Schnute.
Lichterkrone glimmert im Saal.

Corno. - - - Echo von Säulen hallt wider,
füllt die Kuppel bis oben hin.
Sieh, wie die hoppelnden Brüder
fassen die Nymphen ums Mieder. - - - Corno.
Gattinnen lieblich charmieren,
andre erbost sich mokieren,
rufen Kutscher, eilig zu fliehn.
Einige stehen im Garten,
Handschuhe halten und warten.
Mowitz spendet Trost mit dem Priem.

Corno. - - - Prosit, Mamsell Wilhelmine!
Schließ den Reigen! Hurra, Mamsell!
Schiffer mit heiterer Miene
gucken zu Lachsens Regine. - - - Corno.
Sieh die Pantöffelchen kippeln,
wie sie kann rudern und trippeln,
Füße schwarz wie Ofengestell.
Mouche verschwand von der Wange.
Mach deine Arme nun lange,
schließ den Reigen! – Bravo, wie schnell!

Corno. - - - Schneuz dich, du Lümmel, probiere,
stimm dein Horn und blase zum Tanz!
Nymphen im Saale rangieren,
niesen geziert und spazieren. - - - Corno.
Sieh Bruder Wingmarkens Liebste:
Träg mit dem Drechsler dort schiebt sie,
Fuß nach innen wie eine Gans.
Rotbrauner Busen wie Kupfer.
Drechsler, was machst du für Hupfer
mit dem Zollstock, wippend im Wams?

Corno. - - - Stampft, daß die Diele erbebe,
trappt und klatscht und macht einen Satz! –
Steh und Ulrika nun hebe
über den Kopf in die Schwebe! - - - Corno.
Streck deine Arme zur Brücke,
schlüpfe hindurch und dich bücke!
He, du Lümmel, scher dich vom Platz,
Jungfrauen such auf der Straße!
Stoß in das Waldhorn und blase!
Die Canaille packe am Latz!

Corno. - - - Wingmark, geputzt und geschniegelt,
schnauft und schnieft und bittet und freit.
Hemdbrust, gestärkt und gebügelt,
weht um den Bauch ungezügelt. - - - Corno.
Sieh, wie er tänzelt verbogen,
Hos übern Hintern gezogen
und die Hand galant in der Seit.
Hut auf Perücke mit Flitter
ziert diesen wackeren Ritter;
Wingmark ächzt und lächelt und speit.

Corno. - - - Pfui, welch ein plumpes Gehampel!
Steig im Reigen, führe und faß!
Trappelt und trippelt, ihr Trampel,
stoßt nicht an Krone und Ampel! - - - Corno.
Rein mit dem Drechsler! Na, schwenk dich,
doch die Gelenke verrenk nicht!
Stoß ins Horn, du Hornochse, blas!
Arme am Rücken schön artig!
Pfui, wie der Drechsler ist garstig!
Bergström, blas und fasse dein Glas!

Corno. - - - Viele die Diele versperren.
Platz dem Krüger, der uns erfreut!
Volle Pokale wir leeren.
Skål, allerwerteste Herren! - - - Corno.
Heldenhaft steht gegen Schüsse!
Trinket auf Liebe und Küsse!
Frisch gefreit hat nimmer gereut.
Walzet vom Saal zum Gemache!
Puder steigt auf bis zum Dache,
und der Reigen wendet erneut.

Corno. - - - Hand überm Kopf im Reviere,
und aufs neu der Reigen hebt an.
Mowitzens Waldhorn regiere,
denn es bekam neue Schmiere. - - - Corno.
Laßt eure Hacken nun klicken!
Schämt euch, ihr dummen Burricken! –
Sieh, die Eselin mittenmang
schwups übern Tanzboden schlittert,
drollig beflort und beflittert,
säbelbeinig, pudrig und lang! - - - Corno.

Corno. - - - Meinst du mein Mädchen, Canaille,
ist ein Esel? – Just, was ich sag! –
Vermaledeite Medaille!
Mach dich bereit zur Bataille! - - - Corno.
Dich will ich lehren mit Schlägen
und dich in Stücke zersägen
mit Musik! – Spielt Flöten, ihr Pack!
Du bist der Dämel im Stücke.
Schmeißt durch die Tür die Perücke!
Christian Wingmark pack ich und schlag.

Corno. - - - Wingmark zur Türschwelle steiget:
Die Perücke! ach sie ist fort!
Drechslers Geliebte doch schweiget,
hicket und sittsam sich neiget. - - - Corno.
Wirt packt den Drechsler am Schopfe —
der kahl und blutig am Kopfe
sagt kein grobes weiteres Wort.
Fackeln erlöschen im Glanze,
Mutter erleidet beim Tanze
im Gedränge prompt ’nen Abort.

Corno. - - - Schwinge, Malen’, deine Beine
mit Hurra und lustiger Mien!
Dort hüpft die Bergström alleine.
Schert euch zur Teufel, ihr Schweine! - - - Corno.
Welch ein Gewühl und Gerase,
Nachthaube weht auf die Gasse,
Greifer spähen durch die Gardin.
Schluß mit der Polska, seid stille!
O liebe Schwester, ich fühle:
Solche Bälle sind der Ruin.

Übersetzung: Klaus-Rüdiger Utschick