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Fredmans Episteln Nr. 23

Fredmans Epistel 23

Die ein Soliloquium darstellt, als Fredman
vor der Kaschemme Kryp-In lag, gegenüber
dem Bankhaus, in einer Sommernacht 1768.

Ach, meine Mutter, sag, wer dich sandte
in Vaters Schlafgemach?
Aus deiner Glut mein Lebenslicht entbrannte,
ach, so arm und schwach!
Für Lust ertrage
ich nun die Plage
und verlösche schier.
Du lagst und spieltest;
als du dich kühltest,
brannt mein Blut in dir.
Warum versperrt’ kein Schloß
deinen Jungfernschoß,
Flauto. - - - deinen Jungfernschoß?

Pfui! eure Kammer, pfui! jene Eichen,
die man fürs Brautbett schlug.
Pfui! deine Augen und dein Jungfernzeichen,
lauter Weibertrug.
Pfui! jene Stunde,
als du zum Bunde
deine Treu verschriebst.
Pfui! deine Glieder,
da du hernieder
in das Bette stiegst.
Oder war ’s eine Bank,
der mein Sein ich dank,
Flauto. - - - der mein Sein ich dank?

Ein treues Herze platt ich verachte.
Pfui! auch mein Vater, du.
Hier liege ich im Rinnstein und betrachte
meine morschen Schuh.
Hosen zerschlissen,
Rockschoß zerrissen,
Kragen schwarz wie Ruß.
Sieh die Perücke
und diese Krücke
für den lahmen Fuß.
Es juckt bald hier, bald dort.
Kommt und helft mir fort,
Flauto. - - - kommt und helft mir fort!

Sieh meine Hände, mager und schmächtig,
zittern bei lautem Ton;
siehe sie niedersinken wie ohnmächtig,
kalt und leblos schon.
Augen und Wangen,
alles befangen
von Gebrechlichkeit.
Himmel, mein Singen
will nicht gelingen,
von des Lebens Freud,
von Liebeslust und -qual
und dem volln Pokal,
Flauto. - - - und dem volln Pokal.

Labt meine Zunge, ach, süße Säfte,
klingend ins Glas ihr fließt.
Ich bin ein Heide; Herz und Mund und Kräfte,
alles Bacchus grüßt.
Arm und versoffen
darf ich erhoffen,
was das Glück mir deucht:
In Krug und Gassen,
im Tod, dem blassen,
ich den Gaumen feucht’,
und in der letzten Stund
führ mein Glas zum Mund,
Flauto. - - - führ mein Glas zum Mund.

Siehe, man öffnet Krugtür und Luken;
noch liegt die Stadt im Traum.
Siehe den Stern im Morgenrot sich ducken
in den Wolkensaum,
Sonnstrahlen flimmern,
Kirchtürme schimmern,
und die Luft wird lind.
Hin zu der Treppe
schwer ich mich schleppe,
Bacchi Stube find!
Schenke mir ein, ich spür
Seel verdürsten mir,
Flauto. - - - Seel verdürsten mir.

Nun denn zum Wohl! So will ich gastieren,
sitzen beim vollen Krug,
will meine steifen Glieder wieder schmieren,
schmieren sie genug.
Hurra, Courage,
lustig’ Bagage!
Frisch zur Flasche, he!
Bin frohen Mutes,
tapferen Blutes,
und ich fürcht kein Weh.
Gott, welch ein Himmelstrank!
Vater, Mutter, Dank!
Flauto. - - - Vater, Mutter, Dank!

Dank eurer Wollust! Prost will ich sagen
auch jedem Hochzeitsgast,
dir, der du Holz geschlagen und getragen
für das Kindbett hast!
Dank deiner Liebe
und deinem Triebe,
alter Vater, du!
Möcht mit dir zechen
und mit dir sprechen
jetzt und immerzu,
mein Bruder wärst – jawoll! –
und wie ich so voll,
Flauto. - - - und wie ich so voll.

Übersetzung: Klaus-Rüdiger Utschick