Epistel 2

Na, stimm deine Geige,
hei, Spielmann, spiel dich ein!
Heia, Schwesterlein!
Spielmann, sag nicht nein!
Die Musen dich begnaden.
Den Schemel besteige
und deine Arme schwing,
daß der Bogen sing’
und die Saite kling’!
Der Geige wird ’s nicht schaden.
Du schwitzt? Wart, hernach
wirst du in Branntwein baden!
Denn unter diesem Dach
läßt Bacchus laden.
V:cllo. - - - Ja, ganz richtig!
Dein Amt ist wichtig
und macht Ohr und Auge wach.

Wo Nymphen sich scharen,
bist du der rechte Mann,
der in Freias Bann
manchen schlagen kann
und junge Herzen binden
zu liebenden Paaren
mit diesen Saiten hier.
Jeder Ton von dir,
selber Wollust schier,
will Liebesschlingen winden
und just zur Sekund
die Augen läßt erblinden,
und Mädchen ab der Stund
bald rund sich finden!
V:cllo. - - - Welch ein Bullern!
Die Nymphen kullern,
und du lachst mit frohem Mund.

Ich liebe die Schönen
und doch den Wein noch mehr.
Hinter beiden her,
lieb ich beide sehr,
doch unterscheide beide:
die Nymphe im Grünen,
den Wein im grünen Glas,
die in reichem Maß
geben gleichen Spaß.
Den Geigenbogen kreide!
Kolophonium, bewährt,
liegt hier auf grüner Seide.
Und Wein ist uns beschert.
Ich wähle und leide.
V:cllo. - - - Am Trank euch labet
und Mädchen habet,
also euch Sankt Fredman lehrt.

Übersetzung: Klaus-Rüdiger Utschick