Mit goldenen Lorbeeren geschmückt



Unter den Neuerscheinungen des Jahres findet Klaus-Rüdiger Utschicks deutsche Übersetzung von Bacchi Tempel 1779 (s. StU 5, Stockholm 1935) besondere Beachtung. Die erste Fassung 1779 mit dem Titel Bacchi Tempel öpnat vid Corporalens samt Ordens-Oboistens Fader Movitz död liegt nur in Handschrift vor, die zweite Fassung wurde 1783 gedruckt, mit dem Titel Bacchi Tempel öpnadt vid En Hieltes Död, ein Werk, das in seiner typographischen Ausgestaltung und mit den Gravuren der Gebrüder Martin zu den schönsten Arbeiten der gustavianischen Zeit, ja der gesamten schwedischen Buchkunst zu rechnen ist. Utschicks Übersetzung ist durchweg kongenial. Er folgt getreu Bellmans wogenden Alexandrinern, und die Gesangstexte passen ebenso genau zur musikalischen Form. Da das Buch außerdem die Original­illustrationen der Gebrüder Martin enthält und einen vollständigen, mit dem schwedischen Text komplettierten Musikteil aufweist, ist es mit ‘goldenen Lorbeeren geschmückt’. Daß es sich dabei um ein Werk handelt, das außerhalb der Fredmandichtung liegt, macht das Projekt noch mehr verdienstvoll.

Die einzige Problematik dieser Übersetzung dürfte darin liegen, daß Utschick Teile der Handschrift nahm und ihnen Teile der gedruckten Ausgabe hinzufügte, womit er, wie Lars Lönnroth in seinem glänzenden Vorwort schreibt, “das Beste aus beiden Versionen” vereint hat. Dies kann in einem gewissen Maß befremdlich wirken. Andererseits war es vermutlich die beste Vorgehensweise, um Klarheit und Struktur in eins der bemerkenswertesten Stücke Bellmans zu bringen.


Bengt Jonshult in Hwad Behagas Nr. 3, 2006