FILIPSTADS TIDNING     3 AUG 2018

Ich brenne für Dan Andersson

Filipstad: Klaus-Rüdiger Utschick hat Ferlin und Fröding übersetzt – nun ist Dan Andersson an der Reihe.
Vor 17 Jahren übersetzte er Nils Ferlin ins Deutsche. Jetzt hat sich Klaus-Rüdiger Utschick eines weiteren schwedischen Nationaldichters angenommen: Dan Andersson.
„Die Schneeharfe” ist das Buch, das „Schwarze Lieder” des naturromantischen Poeten sammelt – übersetzt ins Deutsche.

„Ich warte bei der Holzglut, da die Nachtstunden eilen, während Sterne über den nächtlichen Himmel gehn …” Erkennen Sie die klassischen Zeilen wieder, wenn sie ins deutsche Sprachgewand gekleidet sind? Es sind die Anfangszeilen eines der bekanntesten und am meisten geliebten Gedichte von Dan Andersson: Von dem Mann, der bei seinem Kohlemeiler sitzt und auf seine erträumte Geliebte wartet.

Brennt für Dan Andersson

Es ist eine der vielen Dan-Andersson-Perlen, die Klaus-Rüdiger Utschick ins Deutsche gebracht hat. Da findet sich auch „Feierabend in der Holzhütte” - Helgdagskväll i timmerkojan - und „Der Bettler von Luossa” - Tiggarn från Luossa - und weitere Gedichte …

„Ich brenne für Dan Andersson. Ich liebe zutiefst seine Poesie”, sagt Klaus-Rüdiger Utschick. Im Buch sind zwei Gedichtsammlungen, die er übersetzt hat: Kolvaktarens visor (Lieder des Kohlewächters) und Svarta ballader (Schwarze Balladen). Hinzu kommen einzelne Gedichte, insgesamt 79 Gedichte im Buch Die Schneeharfe, das nun im Anacreon-Verlag herausgekommen ist, gefördert von der Schwedischen Akademie. Das Buch ist illustriert mit Kohlezeichnungen des Künstlers Eberhard Zietz.

In Deutschland ein Unbekannter

Mit dem Buch bekommen deutsche Leser nun die Chance, eine literarische Entdeckung zu machen.

In Deutschland weiß man nichts von Dan Andersson. Er ist gänzlich unbekannt, sagt Klaus-Rüdiger Utschick.

Doch wenn sie wüssten … „Die Deutschen haben eine tiefe Liebe zum Wilden und zur wilden Natur. Je weiter fort von den Wegen der Menschen, ihren Häusern und Siedlungen, desto lieber. Dan Andersson passt sehr gut für die Deutschen – doch in Deutschland ist er wie gesagt ein Unbekannter.”

Daß ein Poet Nationaldichter in einem Land sein kann und ganz unbekannt in einem Nachbarland kann eigentümlich anmuten, aber Poesie ist nicht die kommerziell gangbarste Literatur, gibt er zu bedenken. „Es gibt so wenig Übersetzungen von Poesie – Poesie ist ja schwierig. Das gilt auch bei Ferlin und bei Dan Andersson und eigentlich auch bei Bellman.

Klaus-Rüdiger Utschick tut offensichtlich, was er kann, um daran etwas zu ändern. Er hat Ferlin und Bellman übersetzt. Über seine Ferlin-Übersetzungen hat Filipstads Tidning vor 17 Jahren berichtet, als er das Museum Kvarnen und das Ferlinmuseum dort besuchte. „Ich war jedes Jahr in Schweden, bis zum Jahr 2016”, erzählt er.

Ein Cousin lockte ihn nach Schweden

Er kam in Kontakt mit Schweden und mit schwedischer Literatur als 18-jähriger. Sein Cousin, der im Zuge seiner Gärtnerausbildung in Stockholm war, hatte ihm den Tip gegeben. Der Cousin betreibt nun eine Gärtnerei in Italien, aber Klaus wurde schwedenbegeistert und lernte schwedisch, bevor er das Abitur machte.

„Ich liebte die Sprache vom ersten Augenblick an, sagt er.

Sprachinteressiert war er schon als Gymnasiast. Er ahmte gerne verschiedene deutsche Dialekte nach, und die Liebe zu Sprachen ist geblieben – so erlernt er mehrere Sprachen, und als Übersetzer ist er gewohnt, die Wörter zu wägen.

In den Poesieübersetzungen hat er über einiges nachzudenken. Eines ist, die Sangbarkeit in Dan Anderssons Dichtung zu bewahren.

„Das ist im Grunde das Wichtigste. Gedichte, die gesungen werden können, sind nicht Gedichte im üblichen Sinn, sie sind zugleich auch Lieder. Wenn sie als Lieder gedacht sind, ist es überaus wichtig, Reim und Metrum der Verszeilen zu bewahren und die wichtigen Wörter auf den betonten Taktteilen zu haben”, sagt Klaus-Rüdiger Utschick.

Grübeln über Wörter

Wichtig ist auch, die Charakteristik der Dichtung zu bewahren. Kolvaktarens visor kamen 1915 heraus und Svarta ballader 1917. „Wenn ich Dan Andersson übersetze, kann ich keine Wörter verwenden, die in den 1960er Jahren neu waren!”

Und wenn der Übersetzer auf in Schweden so wohlbekannte Wörter wie „kolarkoja” oder „kolmila” stößt: „Dann hat man ein bißchen zu grübeln.”

Apropos Zeitaspekt - hat Dan Andersson uns heute etwas zu sagen?

„Ja, das glaube ich. Ich finde, daß er ziemlich aktuell ist auch in seiner Sicht auf den Menschen. Wir sind ja auf dem Weg zu einer neuen Armut, einer neuen Ausbeutung. Durch Leute, die sich nicht damit begnügen, mehr zu haben, sondern möglichst alles haben wollen. Ich sehe Dan Andersson als Kind seiner Zeit. Er sieht die Ungerechtigkeit, die Erbarmungslosigkeit, er sieht, daß Menschen ausgenützt und ausgebeutet werden. Es war die Zeit, als der Kommunismus in den Startlöchern lag und versuchte, die Menschen für sich zu gewinnen und die Macht zu übernehmen. Dan war jemand, der sah, wie schlimm die Lebensbedingungen der Menschen waren.”

Klaus-Rüdiger Utschick sagt, daß Dan Andersson ein Menschenfreund war, doch das war keine blinde Liebe zur Menschheit insgesamt.

„Er liebte die, welche er als wertvolle Menschen kannte und deren Wert nicht gewürdigt wurde von denen, welche die Macht hatten. Wenn man sein Gedicht „Krieg” liest, sieht man, daß er die haßte, die grausam gegen Menschen sind.

Klaus betont auch, wie Dan Andersson die Natur hervorhebt und den Respekt, den wir haben sollten vor der Natur um uns herum. „Er liebte sein Land und die Einsamkeit und wollte nicht, daß die Natur ausgeplündert wird. Und er liebte die Stille und die Tiere.”

Klares Topptrio

Daß die Natur ein wichtiges Moment war in Dan Anderssons Werk, wird auch im Vorwort des Buchs herausgestellt, das Knut Warmland verfaßt hat, wohnhaft in Filipstad und wohlbekannt als Literaturkenner. Er schreibt über Dan Anderssons kurzes Leben und seine Dichtung und Rhythmik.

Knut Warmland schließt das Vorwort mit der Vermutung, daß eine Gallup-Untersuchung über das Poesie-Lesen der Schweden wahrscheinlich ein klar überlegenes Topptrio küren würde: Gustaf Fröding, Nils Ferlin, Dan Andersson.

Faktum ist, daß Klaus-Rüdiger Utschick nunmehr dieses komplette Topptrio ins Deutsche übersetzt hat.

Was wird die nächste Station? kann man fragen. Und er hat schon ein mögliches Szenario vor sich. Welcher andere schwedische Nationalschatz schwebt ihm vor?

„Es sieht nach Evert Taube aus.”

Lena Richardson
0590-79 15 55
filipstadstidning.se




Dan Andersson

Dan Andersson, geboren 1888 in Skattlösberg, Grangärde socken in Södra Dalarna.

Er starb bereits 1920, in Stockholm, in einem Hotelzimmer, das mit Cyanwasserstoff gegen Wanzen behandelt und danach nicht ordentlich gelüftet worden war.

Sein erstes Buch, Kolarhistorier (Köhlergeschichten), erschien 1914.

Vom 28. Juli bis 5. August wird jedes Jahr in Ludvika die Dan Andersson Woche gefeiert.

Es ist das 30-Jahres-Jubiläum der Dan Andersson-Woche.


"Jag brinner för Dan Andersson". Översättning av K. Utschick. Med vänligt tillstånd av Lena Richardson/FT