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Tidning, Donnerstag, 9. August 2001
Ferlin funktioniert auch auf DeutschKlaus-Rüdiger Utschick trifft Nils Ferlin im Museum Kvarnen und in der Welt der Dichtung
Ferlins Dichtung kommt zum deutschen Leser FILIPSTAD. In Schweden ist Nils Ferlin einer der Nationaldichter, groß, geliebt, allen bekannt. Im Ausland kennt man ihn weniger. Aber vielleicht ist Klaus-Rüdiger Utschick der Mann, der Ferlin hinaus in die Welt führt in die deutschsprachige jedenfalls. Er übersetzt Ferlin ins Deutsche; demnächst bringt er das Buch Im Labyrinth des Lebens heraus. Aus Barfotabarn ist Barfüßiges Kind geworden, und aus dem Rallar-Anton von Aborrberget der Schienenleger-Anton aber Ferlin ist und bleibt unverkennbar, auch auf Deutsch. Klaus-Rüdiger Utschick hat intensiv gearbeitet, damit Inhalt und Rhythmus stimmen, und es ist ihm gelungen! Und der Reim stimmt, auch in deutscher Fassung. Es ist schwierig und gleichzeitig bereichernd. Es ist zu einer Leidenschaft geworden. Sogar in den Ferien in Spanien macht es mir Freude, im Schatten eines Baumes zu lesen und zu übersetzen, sagt er, als wir uns in der Ferlin-Ausstellung in der Mühle gegenübersitzen.
Über hundert Gedichte wird die Auswahl umfassen, aus allen sieben Sammlungen. In der Übersetzung lauten die Titel: Lieder eines Totentänzers, Barfußkinder, Goggles, Mit vielen bunten Laternen, Der Papagei des Kaisers, In meinem Hamsterrad, Ein alter Zylinderhut.
Einige Werke Ferlins hat Klaus-Rüdiger fast vollständig übersetzt, aber es gibt auch Gedichte, die er überspringen mußte, weil sie ganz einfach zu schwer zu übersetzen sind. Es gibt Gedichte, die ich gern lese, die zu übersetzen aber sinnlos wäre. Wenn Ferlin z. B. spezielle schwedische Verhältnisse oder Personen beschreibt, die man nicht erklären kann, sondern erlebt haben muß, sagt er. Aber es ist nicht leicht zu entscheiden, welche man weglassen soll, gibt er zu. Am schwersten ist vielleicht nicht das Übersetzen, sondern eine überzeugende Wahl zu treffen, so daß man am Ende sagen kann: Diese Auswahl gibt ein Bild von Ferlin.
Nicht zum ersten Mal läßt sich Klaus-Rüdiger Utschick darauf ein, einen großen schwedischen Dichter in einer anderen Sprache sprechen zu lassen. Zuletzt war es Gustaf Fröding, den er auf Deutsch herausbrachte, und auch mit Bellman hat er sich intensiv beschäftigt. Fröding war jedoch leichter als Ferlin, findet er. Es ist eine fließende Musik in Frödings Gedichten, die wie selbstverständlich ist. Bei Nils Ferlin ist das anders. Auch bei ihm gibt es dieses Fließende, aber manchmal eben gerade nicht, und das darf man nicht ändern. Die Metrik ist deshalb bei Ferlin viel schwieriger; um seinen Rhythmus zu begreifen, muß ich lange in mich hineinhören, damit das Resultat schließlich dem Vorbild gleicht.
Klaus-Rüdiger Utschick spricht ausgezeichnet Schwedisch. Seit 1962, als er zum ersten Mal nach Schweden kam, hat er jeden Sommer hier verbracht. Er interessierte sich früh für schwedische Dichter, aber auch für Sänger wie Cornelis Vreeswijk und Sven-Bertil Taube. Dessen LP mit Ferlin-Liedern war es auch, die einst das Interesse von Klaus-Rüdiger Utschick für den Dichter aus Filipstad weckte. Was ihn an dem Menschen Ferlin fasziniert, ist auch dessen Trotz und seine Lust zum Widerspruch: Das spüre ich auch in mir. Wenn ich Politiker sagen höre: Das ist das Richtige, und das müßt ihr tun! dann erwacht in mir die Lust zu widersprechen, sagt er. Nun, da die Arbeit mit Ferlin und Fröding vorläufig beendet ist, beschäftigt er sich wieder mehr mit Bellman, will sich jedoch auch anderen schwedischen Dichtern zuwenden, vielleicht Evert Taube, vielleicht Dan Andersson?... Wer es wohl sein wird? Das weiß vorerst nur Klaus. Wir machen es am besten wie der Köhler und warten ab, zwar nicht am Meiler, aber am Bücherregal. Lena Richardson
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