Chroniken in Idun *

Krönikor i Idun
18.11.39

Preise steigen für Salz und Hering.
Schweden verliert seinen Holzexport.
Deutschland verliert das Öl aus Rumänien.
Pinneberg fragt im Ratesport:
Wie wird das enden, besehen bei Licht?
Die Antwort weiß selbst der Magister nicht.

Preise steigen für Schnaps und Butter.
Sinkenden Wert hat gesunde Vernunft.
Rabe und Krähe bekommen Futter
nun gratis aus Meer und Luft.
Was man immer im Radio hört,
Glauben stärkt und Stärke beschwört.

Reden prahlen, Ängste mahlen.
Wenig Ehre und viel Geschwätz.
Tausend Lügen von Lügenzentralen
kommen zu uns durch das Rundfunknetz.
Andre Sprachen so mancher spricht –
wo die andren wohnen, das weiß man nicht.

Frei zu atmen ist Recht von allen,
sowohl von Einzelperson wie Staat.
Räder rollen und Würfel fallen.
Hitler hat Glück im Attentat.
Hitler und Stalin Hand in Hand
besuchen befreiend jedes Land.

Polen verraucht in Nebelschwaden,
Panzer knattern hinein in das Land.
Finnlands Schicksal am seidenen Faden.
Holland und Belgien im Wartestand.
Rußland macht seine Fäuste krumm,
winkt einen Gruß ins Baltikum.

Friedenssignale uns Hoffnung machen,
doch sie erinnern an jenes Geschehn,
als Hahn und Pferd einander versprachen,
daß keiner dem andern tritt auf die Zehn.
Großbritannien vornehm blickt.
Mussolini macht Pokergesicht.

Karten mischen! Das Spiel muß laufen.
Neues Spiel und neues Gebot.
Bube für König könnte man kaufen,
und niemand weiß, wer bekommt den Pott.
Karten mischen – das Blatt nun fällt.
In Götterdämmerung sinkt die Welt.